Ludwig Müller

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher evangelischer Theologe

    geboren: 23. Juni 1883 Gütersloh gestorben: 31. Juli 1945 Berlin


    1908 ordiniert, im Ersten Weltkrieg Marinepfarrer, 1918-26 Garnisonspfarrer in Wilhelmshaven, 1926-33 Wehrkreispfarrer in Königsberg. Hier begegnete Müller 1927 Hitler, der den relativ unbekannten, gemäßigten Anhänger der Deutschen Christen im April 33 zu seinem "Vertrauensmann und Bevollmächtigten für Fragen der Evangelischen Kirche" ernannte. Der "fromme Routinier" (Scholder) Müller sollte eine einheitliche Deutsche Evangelische Kirche aus den 28 Landeskirchen formen und erhielt dafür volle staatliche Unterstützung von der Ausbootung Bodelschwinghs über Kirchenverfassung (11. 7. 33) und Kirchenwahlen (23. 7. 33) bis zu seiner Wahl zum Reichsbischof (volkstümlich-spöttisch "Reibi" abgekürzt) am 27. 9. 33. Dann aber versteifte sich der Widerstand der Bekennenden Kirche gegen Müller und sein zentralistisches Programm, das zugleich nationalsozialistischen Positionen wie Führerprinzip oder Arierparagraph in der Kirche Geltung verschaffen sollte. Als er Ende Dezember 33 die evangelische Jugendorganisationen eigenmächtig in die HJ überführte, war eine Verständigung mit der Opposition nicht mehr möglich. Endgültig entmachtet wurde Müller nach Einsetzung von Reichskirchenminister Kerrl (16. 7. 35), ohne dass er formal zurücktrat. Nach Angaben der Kirchenkanzlei beging Müller nach Kriegsende Selbstmord, was aber von Familie und Freunden bestritten wurde.