Madagaskarplan

    Aus Lexikon Drittes Reich

    schon von Lagarde und in dessen Gefolge von Antisemiten der 20er Jahre geäußerter Vorschlag, die "Judenfrage" durch Aussiedlung der jüdischen Bürger in "untervölkerte" und kolonialisierbare Gebiete, z. B. auf das französische Madagaskar, zu lösen. Der Madagaskarplan wurde ab Sommer 38 auch parteiamtlich erwägt und erhielt nach dem Frankreichfeldzug neuen Auftrieb, da die bis dahin favorisierte Auswanderung der Juden durch die Eroberung Polens mit seinen ca. drei Millionen Juden illusorisch geworden war und eine "territoriale Endlösung" gesucht wurde. Im Judenreferat des RSHA wurde dafür ein "Nahplan" zur Versammlung aller Betroffenen im Generalgouvernement entwickelt, dem als "Fernplan" der eigentliche Madagaskarplan folgen sollte, die Abschiebung aller Juden auf die afrikanische Getto-Insel. Der selbst unter günstigsten Umständen kaum zu realisierende Madagaskarplan scheiterte an der britischen Seeherrschaft, der fehlenden Zugriffsmöglichkeit der Vichy-Regierung, dem ausstehenden deutsch-französischen Friedensvertrag und dem Fehlschlag des deutschen Russlandfeldzugs und mündete in den Völkermord der Endlösung. Die Insel Madagaskar spielte auch später als Alternative zu Palästina eine Rolle bei der Suche nach einer Heimstätte für das jüdische Volk.