Magnus Hirschfeld

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Sexualforscher

    geboren: 14. Mai 1868 in Kolberg gestorben: 15. Mai 1935 in Nizza


    (Pseudonym Ramien), 1910 Nervenarzt in Berlin, Mitbegründer der ersten "Zeitschrift für Sexualwissenschaften". Durch seinen Kampf gegen die Bestrafung von Homosexualität, durch seine Befürwortung von Geburtenkontrolle und erleichterter Ehescheidung zog sich Hirschfeld frühzeitig den Hass bürgerlich-konservativer Kreise zu, obwohl er selbst in anderen Fragen betont national gesonnen war. Das 1918 von Hirschfeld in Berlin gegründete "Institut für Sexualwissenschaften", dem die erste deutsche Eheberatungsstelle angeschlossen war und das sich besonders der Beratung Homosexueller widmete, galt den Nationalsozialisten als "eine einzige Brutstätte von Schmutz und Sudelei" ("Der Angriff", 1933). Am 6. 5. 33 wurde es von Studenten besetzt und geplündert, der gesamte Buchbestand am 10. 5. verbrannt (Bücherverbrennung). Hinter der Verteufelung des "Halbjuden" Hirschfeld steckte mehr als der offizielle Kampf gegen die "Untergrabung der Moral im Geschlechtsleben". Es äußerte sich darin auch die Aggression der Ertappten, da v. a. in den SA homoerotische Beziehungen eine entscheidende Rolle spielten (Röhm). Hirschfeld ging ins französische Exil, 1934 wurde ihm die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt.