Maidanek

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (Lublin-Maidanek), nationalsozialistisches KZ, im Oktober 41 als Kriegsgefangenenlager (KGL) der Waffen-SS (wegen der leichteren Beschaffung der Finanzmittel) am südwestlichen Stadtrand von Lublin an der Fernstraße nach Chelm errichtet; nach Himmlers Anordnung vom 20. 7. 41 für 25 000 bis 50 000 Häftlinge bestimmt. Zum Aufbau des Lagers wurden Häftlinge aus Buchenwald, sowjetische Kriegsgefangene und polnische Zivilarbeiter eingesetzt. Bei den Häftlingen handelte es sich meist um jüdische Menschen, die aus den KZ Theresienstadt, Auschwitz, Sachsenhausen und Dachau sowie aus dem Warschauer Getto kamen. Reichsdeutsche wurden bevorzugt als "Funktionshäftlinge" eingesetzt. Im Herbst 42 wurde eine offene Frauenabteilung errichtet, in die polnische Frauen und Mädchen, die aus "politischen Gründen" in Gefängnissen (u. a. in dem berüchtigten "Pawiak-Gefängnis" in Warschau) inhaftiert gewesen waren, eingewiesen wurden. Der Besuch illegaler Oberschulen (nur Grundschulbesuch war legal) reichte z. B. als Inhaftierungsgrund aus.

    Die Häftlinge wurden zu verschiedenartigen Arbeiten in der Landwirtschaft, zu Waldarbeiten u. a. eingesetzt (zehn Außenkommandos). Die Bekleidungs-, Verpflegungs-, Unterbringungs- und sanitären Verhältnisse im Lager waren völlig unzureichend. Viele Häftlinge starben an Seuchen, Hunger, Erschöpfung, wurden zu Tode misshandelt, "auf der Flucht" erschossen (der Täter erhielt dafür Sonderurlaub), erhängt oder auf sonstige Arten getötet. Seuchenkranke bzw. seuchenverdächtige Häftlinge (Fleckfieber) wurden auf Befehl des RSHA ausgesondert und erschossen.

    Spätestens von Oktober 42 an wurde im Lager eine Vergasungsanlage in Betrieb genommen. Sie bestand zunächst aus zwei in einer Holzbaracke eingerichteten Gaskammern. Später wurden weitere Gaskammern in einem Steingebäude eingerichtet und die ursprünglichen Kammern als Trockenräume benutzt. Nach gerichtlichen Feststellungen existierten in Maidanek "mindestens drei aus Beton errichtete Kammern mit abgedichteten Stahltüren". Judentransporte aus Deutschland, den Niederlanden, Italien und anderen Ländern wurden bei ihrer Ankunft im Lager selektiert und die arbeitsfähigen Häftlinge zu Arbeitskommandos überstellt. Die nicht arbeitsfähigen Personen (Frauen, Kinder und ältere Menschen) tötete man anschließend entweder durch Zyklon B oder auch durch Kohlenmonoxyd. Krank und arbeitsunfähig gewordene Häftlinge wurden von Zeit zu Zeit ausgesondert und vergast. Im Mai 43 kamen mehrere hundert jüdische Kinder in den Gaskammern ums Leben. Nach gerichtlicher Feststellung wurden in Maidanek etwa 200 000 Menschen (absolute Mindestzahl) bis zum Herbst 43 vergast.

    Am 3.11. 43 – die Gaskammern waren zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in Betrieb – wurden die noch im Lager lebenden Juden während einer von der SS "Erntefest" genannten Aktion erschossen. Im April 44 begann die Evakuierung von Maidanek. Die letzten Häftlinge wurden unmittelbar vor der Eroberung Lublins durch sowjetische Truppen (22. 7. 44) zu Fuß in Richtung Radom in Marsch gesetzt. Nach der Einnahme des Lagers benutzten die Sowjets es eine Zeit lang als Kriegsgefangenenlager. Später wurden auf einem Teil des Geländes von der polnischen Regierung ein Museum und eine Gedenkstätte für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft eingerichtet.

    Maidanek-Kommandanten: Karl Otto Koch (Buchenwald), Hermann Florstedt (auf Befehl Himmlers kurz vor Kriegsende hingerichtet), Martin Weiß (Neuengamme), Max Koegel (Flossenbürg).