Malerei

    Aus Lexikon Drittes Reich

    im Dritten Reich stärker als andere Künste rückwärtsgewandt; publikumswirksamer (bis in die Nachkriegszeit) als eigene Konzepte und Werke war die Ablehnung und Zerstörung der modernen Malerei. Mit den Aktionen des Kampfbundes für Deutsche Kultur gegen entartete Kunst konnten sich die Nationalsozialisten schon in der Weimarer Republik auf Unverständnis und Aversionen von breiten Kreisen des Bürgertums und der Arbeiterschaft gegenüber der zeitgenössischen Malerei stützen. Nationalsozialistische Kunsttheorien waren v. a. Abgrenzungen: deutsche Künstler "malen keine Absinthtrinker", keine "großstädtischen Wüsteneien und Kaschemmen ... Sie wollen Anwälte des positiv behaupteten Lebens sein" (F. A. Kaufmann: "Neue deutsche Malerei", 1941). Als Ausdruck "völkischer Substanz" sollten die "Männer der naturnahen Urberufe" dargestellt werden und die "Frau als Mutter", umgeben "von den Urweihen natürlicher Ordnung", als Bild des deutschen "Zukunftswillens".

    Die erste umfassende und repräsentative "Große Deutsche Kunstausstellung" im Sommer 1937 zeigte, dass sich das nationalsozialistische Kunstverständnis besonders im Rückgriff auf die Genremalerei des 19. Jahrhunderts äußerte: Mit Titeln wie "Heimat", "Trösterin Natur", "Scholle", "Sehnsucht nach dem einfachen Leben" dominierten bäuerliche, Landschafts- und Sommerwiesen-Idyllen, die Wirklichkeit der zeitgenössischen Industriegesellschaft blieb weitgehend ausgespart. Auffällig war die Fülle von klischeehaft erstarrten Bauernbildern (von A. Wissel, H. Thoma u. a.), die den "Nährstand" auf "Deutscher Erde" hinter pflugziehenden Pferden oder mit Sense und Schwert zeigten. Auch Handwerkerbilder, Stillleben, stillende Mütter und Frauen am Spinnrad zeigten gewollt vorindustrielle Idyllik. Lediglich die Aktmalerei erhielt im Verlauf der 30er Jahre Züge eigentlich verpönter "Dekadenz": Zu den biederen "Bauerngrazien" oder fotografisch-naturalistisch gemalten nordischen Heroinen (A. Ziegler) gesellten sich historisierende Akte, die teilweise die Tradition bürgerlicher Salon-Malerei des 19. Jahrhunderts aufnahmen und schwüle Erotik durch allegorische oder mystische Titel (u. a. "Danae" von R. Schuster-Woldan, 1941) rechtfertigten. Eine programmatische, Kriegsbereitschaft und einschlägige Feindbilder fördernde Malerei wurde nach Kriegsbeginn ausgeweitet; gab man anfänglich historischen Kriegsmotiven den Vorrang (z. B. "Friedrich der Große bei Kunersdorf", W. Peiner 1940), so entstanden später v. a. aktuelle Darstellungen, Porträts zeitgenössischer soldatischer Helden oder Schlachtgemälde (z. B. B. F. Eichhorst: "Erinnerung an Stalingrad", 1943). Eine der Monumentalarchitektur folgende Monumentalmalerei, die zumeist dem Schmuck öffentlicher Räume diente, gab ohnehin martialischen Themen ("Kämpfendes Volk") den Vorrang.

    Dem breiten Publikum wurde die nationalsozialistische Malerei durch jährliche große Ausstellungen und durch Wanderschauen (Themen: "Lob der Arbeit", "Das Pferd in der Kunst", "Die Straßen Adolf Hitlers") nahe gebracht, die als bewusstes Konzept ("Kunst dem Volk") gegen die einmaligen, teuren Kunstwerke der Weimarer Republik konfektionierte Malerei zu relativ niedrigen Preisen setzten, insbesondere Gemälde im Grenzbereich von Kunsthandwerk und Kitsch, die gern als Ablenkung von einem durch Rüstung und Politik bestimmten Alltag angenommen wurden.