Martin Heidegger

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Philosoph

    geboren: 26. September 1889 in Meßkirch gestorben: 26. Mai 1976 in Freiburg im Breisgau


    Studium in Freiburg im Breisgau, dort 1915 Privatdozent, 1923 Ordinarius in Marburg/L., 1928 Nachfolger seines Lehrers E. Husserl in Freiburg; 1933 Rektor der Freiburger Universität; nach dem Krieg vorzeitig emeritiert. Heidegger ist neben K. Jaspers und J-P. Sartre Begründer der Existenzphilosophie. Mit seinem Hauptwerk "Sein und Zeit" (1927), das methodisch von der Phänomenologie E. Husserls, geistesgeschichtlich von Gedanken Kierkegaards, Nietzsches und Diltheys ausgeht, entwickelt er eine Fundamentalontologie: die Frage nach dem Sinn des Seins. Die Analyse geht vom "Dasein" des Menschen aus, dessen Existenz dargestellt wird als von Angst, Sorge und Todesbedrohtheit gezeichnet. Grundzug aller Existenzphilosophie ist es, den Menschen aufzufordern, sein zeitliches und geschichtliches Schicksal zu akzeptieren und entsprechend zu handeln. Da sie aber über die möglichen Inhalte des Handelns nichts sagt, ist sie anfällig für Ideologien. So wurde Heidegger als erster nationalsozialistischer Rektor in Freiburg zum akademischen Sprachrohr der neuen Machthaber. In seiner Rektoratsrede ("Die Selbstbehauptung der deutschen Universität", 1933) bekannte er sich zur "Größe" und "Herrlichkeit" des deutschen Aufbruchs. Neben dem "Wissensdienst" forderte er die Jugend zum "Arbeits-" und "Wehrdienst" auf. Einen Ruf an die Berliner Universität (1934) lehnte er zwar ab und wurde so nicht einer der Starphilosophen des Nationalsozialismus. In einem Aufsatz ("Warum bleiben wir in der Provinz?") begründete er jedoch seine Absage mit Argumenten, die der nationalsozialistischen Ideologie von Blut und Boden entstammten. Kurz darauf distanzierte sich Heidegger vom Nationalsozialismus; 1938 bezeichnete er nationalsozialistische Philosophien als "widersinnige Erzeugnisse".

    Einige seiner emigrierten Schüler wie z. B. K. Löwith haben Heidegger den Irrtum der ersten Stunde nie verziehen, andere haben Heideggers kurzes Engagement für die Nationalsozialisten als unerheblich angesichts der Bedeutung seines Gesamtwerks betrachtet. So gelangte Heidegger nach dem Krieg zu beträchtlichem internationalen Ansehen v. a. in Frankreich, Italien und Japan. In der Bundesrepublik waren in den 50er Jahren mehr als die Hälfte aller philosophischen Lehrstühle mit "Heideggerianern" besetzt. Auch waren zahlreiche Theologen, Psychologen und Literaturwissenschaftler von Heidegger beeinflusst.