Masse

    Aus Lexikon Drittes Reich

    in der Psychologie und Soziologie Bezeichnung für eine Ansammlung von Menschen, die zumindest zeitweise ein ähnliches oder gleichartiges Verhalten zeigen, das als Gruppen- oder Massenverhalten durch den Abbau von Kritik- und Urteilsvermögen, von Hemmungen und Verantwortungsbewusstsein geprägt ist. Insbesondere in Krisen- oder Angstsituationen lässt sich die Masse durch Orientierung auf Irrationales, durch Gefühlsansprache von politisch autoritären, charismatischen Führern manipulieren, lassen sich vorhandene Aggressionen zusammenfassen und auf wirkliche wie eingebildete Feinde lenken.

    In der nationalsozialistischen Weltanschauung war der Begriff Masse offiziell als Bezeichnung für eine unstrukturierte Menschenzusammenballung negativ besetzt, wurde z. T. der klassenlosen kommunistischen Gesellschaft gleichgesetzt (Kollektiv) und galt als Gegensatz zur organischen Volksgemeinschaft. In der Praxis übernahm Hitler sehr früh, bewusst und unbewusst, Erkenntnisse der Massenpsychologie über Beherrsch- und Lenkbarkeit von Menschenansammlungen, verstand es wie kein anderer Politiker, Massenveranstaltungen zu inszenieren und kollektive Triebe und Aggressionen zu mobilisieren (Führerkult). Die politische und staatliche Organisation des Dritten Reichs baute weitgehend darauf auf, den Einzelnen zum Glied einer einförmigen Masse gleichzuschalten; in der politischen und kulturellen Selbstdarstellung der Nationalsozialisten hatte die "Masse als Ornament", das Arrangieren von Menschenmassen, eine zentrale Funktion (Ästhetik, Feiern).