Mauthausen

    Aus Lexikon Drittes Reich

    nationalsozialistisches KZ der Lagerstufe III (kaum noch "erziehbare" Schutzhäftlinge); im August 38 etwa 20 km östlich von Linz eingerichtet. Bei Kriegsausbruch befanden sich etwa 1 500 und im April 42 5 500 Häftlinge in Mauthausen. Gegen Kriegsende waren im Hauptlager allein fast 50 000 Häftlinge zusammengepfercht. In den größten Nebenlagern von Mauthausen, Gusen I und II (insgesamt 56 Außen- und Unterkommandos), waren im März 45 nochmals 24 000 Häftlinge untergebracht. Es waren Angehörige fast aller europäischen Nationen (u. a. kriminelle und politische deutsche Häftlinge, dänische Polizisten, niederländische und ungarische Juden, sowjetische Kriegsgefangene). Dazu kamen v. a. ab Juli 43 noch jüdische Frauen mit Kindern und Transporte von sowjetischen, polnischen, jugoslawischen, italienischen und französsischen Kindern und Jugendlichen sowie jüdisch-polnische "Zigeuner"kinder (darunter auch Säuglinge) aus Ravensbrück. Nach der letzten offiziellen Statistik vom 31. 3. 45 gab es über 1 500 Kinder und Jugendliche bis zu 20 Jahren und über 2 200 Frauen im Lager.

    1938/39 arbeiteten die Häftlinge in erster Linie am Lageraufbau, später v. a. in den Granitsteinbrüchen der SS-eigenen Deutschen Erd- und Steinwerke (DEST) und etwa von Herbst 43 an für die Rüstungsindustrie (Messerschmitt AG). Die Verpflegung war völlig unzureichend, Unterbringung und sanitäre Verhältnisse denkbar schlecht. Viele Menschen starben an Hunger und Erschöpfung. Eine große Anzahl von Häftlingen wurde im Steinbruch "Wienergraben" von SS-Angehörigen oder Kapos zu Tode misshandelt, erschossen oder erhängt. Kranke und Arbeitsunfähige wurden im Rahmen der "Aktion 14f13" (Invaliden-Aktion) ausgesondert und in Tötungsanstalten "euthanasiert", in der Gaskammer des Lagers getötet, in einem zwischen Mauthausen und dem Nebenlager Gusen (ca. 5 km) verkehrenden Gaswagen vergast oder im Lagerrevier durch Giftinjektionen getötet. In einer in der Nähe des Krematoriums befindlichen Genickschussanlage wurden Häftlinge unter Vortäuschung einer medizinischen Untersuchung erschossen. Menschenversuche (Operationen an Gesunden, Tbc-Impfstoffversuche u. a.) forderten weitere Opfer.

    Die Gesamtzahl der in Mauthausen und seinen Nebenlagern ermordeten und verstorbenen Menschen lässt sich nicht mehr genau feststellen. In den für das Haupt- und die Nebenlager geführten Totenbüchern sind etwa 71 000 Todesfälle vermerkt (Zahl der nicht registrierten Toten unbekannt). Nach dem Krieg wurde auf dem Lagergelände eine Mahn- und Gedenkstätte mit Museum errichtet.

    Mauthausen-Kommandanten: Albert Sauer (1945 in Falkensee verstorben), Franz Ziereis (1945 auf der Flucht von US-Soldaten erschossen).