Memelland

    Aus Lexikon Drittes Reich

    ostpreußische Region nördlich der Memel mit der Ostsee-Hafenstadt Memel. Das Memelland wurde durch den Versailler Vertrag (Artikel 94 bis 99) ohne Volksabstimmung mit 2 566 km2 und knapp 140 000 Einwohnern (1919), davon rund 71 000 deutschsprachig und rund 67 000 litauischsprachig (1919), einem alliierten Kondominium mit einem französischen Oberkommissar und französischer Besatzung unterstellt. Am 10./16. 1. 23 annektierte Litauen das Memelland, was am 16. 2. 23 durch eine alliierte Botschafterkonferenz sanktioniert wurde. Am 8. 5. 24 erhielt es ein Autonomiestatut unter litauischer Staatshoheit mit Landtag, Landesdirektorium und litauischem Gouverneur. Ab 1926 herrschte Ausnahmezustand wegen der Dauerspannungen zwischen einer durchgehend starken deutschen Landtagsmehrheit und dem Gouverneur infolge zahlreicher Verstöße gegen das Memelstatut im Zuge einer bewussten Litauisierungspolitik. Das hatte negative Rückwirkungen auf die deutsch-litauischen Beziehungen. Am 23. 3. 39 marschierten deutsche Truppen aufgrund eines der litauischen Regierung am 22. 3. 39 aufgezwungenen Vertrags ins Memelland ein, das durch Reichsgesetz in das Deutsche Reich eingegliedert wurde. Beim Vormarsch der Roten Armee im Herbst 44 verließ der Großteil der deutschen Bevölkerung das Memelland, das im Januar 45 der 1944 konstituierten Sozialistischen Sowjetrepublik Litauen angeschlossen wurde.