Mittelstand

    Aus Lexikon Drittes Reich

    eher politisch-ideologische Bezeichnung als analytisch-soziologischer Begriff für die "Mittelklasse" einer Gesellschaft. Man unterscheidet den alten Mittelstand (selbständige Handwerker, Einzelhändler, Bauern etc.) vom neuen (untere und mittlere Angestellte und Beamte). Der mit sozialen Ängsten und Statusproblemen (Abhebung vom Proletariat) belastete Mittelstand gab seit der Weltwirtschaftskrise die Massenbasis des Nationalsozialismus ab. 1933/34 wurden die richtungsorientierten selbständigen Angestelltenverbände von der DAF "ersetzt". Entsprechend ihren leistungsorientierten Grundsätzen wollte die DAF die "Standesunterschiede" zwischen Angestellten und Arbeitern abbauen, was ihr aber nur zum kleinen Teil gelang.

    Der alte Mittelstand vermochte zwar seine "großen" berufsständischen Ideen nicht zu verwirklichen, doch konnte er ihm wichtig erscheinende wirtschaftspolitische Forderungen durchsetzen (v. a. Zwangsinnungen, Großer Befähigungsnachweis). Andere auf den Mittelstand zielende Maßnahmen wie das Erbhofgesetz hatten ambivalente oder gar negative Auswirkungen. Der "Stand" der Handwerker und Bauern wurde sozial stark aufgewertet und ihre Arbeit ideologisch überhöht. Die ökonomische Lage des alten Mittelstands verbesserte sich teilweise zwischen 1937/38 und 41/42 - nicht zuletzt auf Kosten der Kleinstbetriebe, die "ausgekämmt" wurden.