Montoire

    Aus Lexikon Drittes Reich

    französische Kleinstadt im Departement Loir-et-Cher. In Montoire kam es am 22. 10. 40 zum Treffen Hitlers und Ribbentrops mit dem stellvertretenden französischen Ministerpräsidenten Laval und dann nach Rückkehr aus Hendaye am 24. 10. 40 mit Pétain und Laval. Die fehlgeschlagenen Bemühungen um einen politischen Ausgleich mit Großbritanien oder auch um seine direkte militärische Niederringung im Sommer 40 (Luftschlacht um England) zwangen Hitler im Herbst 40 vor seinem endgültigen Angriffsentschluss gegen die Sowjetunion (18. 12. 40 Weisung für "Barbarossa"), zeitweilig Ribbentrops Konzeption eines "Kontinentalblocks von Madrid bis Yokohama" oder auch Pläne der Marineführung für einen indirekten "Krieg an der Peripherie" im Mittelmeer gegen Großbritannien aufzugreifen: In diesen Konzeptionen sollte sich Frankreich ohne direkten Kriegseintritt von seinen nord- und westafrikanischen Kolonien aus an den militärischen Kriegsanstrengungen der Achsenmächte gegen das Inselreich und seine überseeischen Zufuhrverbindungen beteiligen. Obwohl nach Versenkung der französischen Flotte vor Oran am 3. 7. 40 auf Weisung Churchills die Bereitschaft zur Kollaboration in Frankreich und besonders auch bei Laval recht groß war, setzte sich am Ende Pétain mit seiner lavierenden Linie des "attentisme" (Abwarten) durch, so dass die Konferenzen von Montoire trotz überaus höflicher Bekundungen der gegenseitigen Wertschätzung völlig fehlschlugen. Hitler verweigerte nämlich zudem Vichy-Frankreich die Gleichberechtigung und sagte in Montoire weder eine verbindliche Abgrenzung der französischen, spanischen und italienischen Kolonialbesitzungen in Nordafrika noch eine bindende Festlegung der französischen Ostgrenze (Elsass-Lothringen, Nizza) oder die sofortige Rückkehr der französischen Kriegsgefangenen und Zivilverschleppten aus Deutschland zu.