Morgenthauplan

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Programm der USA für ihre Politik gegenüber dem besiegten Deutschland nach Kriegsende, benannt nach dem US-Finanzminister Morgenthau jr., in dessen Auftrag der Plan im August 44 verfasst wurde. Der aus 14 Punkten bestehende Plan ("Program to prevent Germany from starting a World War III") sah vor: völlige Entmilitarisierung Deutschlands; Demontage seiner Industrie, Verteilung seiner industriellen Anlagen als Reparationen an die Alliierten, Stilllegung der Bergwerke (damit faktische Umwandlung des Lands in einen Agrarstaat), Enteignung des Großgrundbesitzes, Einziehung des deutschen Auslandsvermögens und Kontrolle der deutschen Wirtschaft für mindestens 20 Jahre; Abtretung Ostpreußens, Oberschlesiens, des Saarlands (bis Mosel und Rhein), Internationalisierung des Ruhrgebiets, Westfalens, des Rheinlands, der Nordseeküste und des Nord-Ostsee-Kanals, Aufteilung des restlichen Deutschlands in zwei autonome Staaten und Verbindung des süddeutschen Staats mit Österreich in einer Zollunion; Aburteilung der deutschen Kriegsverbrecher; Reorganisation des deutschen Bildungswesens und Umerziehung (Reeducation) der deutschen Bevölkerung.

    Der Morgenthauplan, gedacht zur Korrektur der von Morgenthau als zu gemäßigt eingeschätzten Planungen des US-Außenministeriums und der Europäischen Beratenden Kommission, wurde Anfang September 44 dem amerikanischen Präsidenten Roosevelt vorgelegt und von diesem und dem britischen Premier Churchill auf der Konferenz von Quebec am 15. 9. 44 in modifizierter Fassung paraphiert; doch zog Roosevelt, nach heftiger Kritik durch Außenminister Hull, Verteidigungsminister Stimson und in der amerikanischen Öffentlichkeit, seine Unterschrift schon Ende September 44 wieder zurück und distanzierte sich auch öffentlich von ihm.

    Der Morgenthauplan als Ganzes und seine Grundidee eines "harten" (Straf-)Friedens gegenüber Deutschland gewann daher keine Bedeutung mehr für die amerikanische Deutschland-Politik, wurde aber von der deutschen Durchhalte-Propaganda immer wieder als Schreckgespenst beschworen und als "Judas Mordplan" (Völkischer Beobachter) bezeichnet.