Nation

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (von lateinisch nasci = geboren werden), durch gemeinsame Sprache, Geschichte, Kultur, Abstammung, Religion u. a. konstituierte Gruppe meist in einem gemeinsamen Siedlungsgebiet. Mit Ablösung des feudal-dynastischen Prinzips in der Französischen Revolution wurde die Nation inhaltliche Klammer für die Staatsbildung und führte zu den Einigungskämpfen u. a. in Italien und Deutschland und als Gegenbewegung zur Auflösung u. a. des Vielvölkerstaats Österreich-Ungarn. Nach nationalsozialistischer Auffassung basierte der Nationenbegriff des 19. Jahrhunderts jedoch auf dem verderblichen liberalen Gleichheitsprinzip, das einerseits zu einem "Nationaldemokratismus" geführt habe und andererseits durch Anerkennung etwa der Juden oder anderer "fremdvölkischer" Elemente als Staatsbürger zu "schrankenloser Verrassung". Nation im vollen Sinne aber könne nur völkisch-rassisch begründet werden, die deutsche Nation lebe aus dem "instinktiven Gefühl der Zusammengehörigkeit aller Menschen deutschen Blutes". Eine kleindeutsche Lösung wie die Bismarcks, die nicht alle Deutschen erfasste, war danach genauso zu verwerfen wie die Hereinnahme nicht "deutschblütiger" Bürger in einen deutschen Staat. Die NSDAP forderte daher schon im Programm vom 24. 2. 20 ein "Groß-Deutschland" einerseits (Punkt 1) und die Ausgrenzung der Juden andererseits (Punkt 4). Der nationalsozialistische Staat sollte sich auf "der Einheit des Volkes in seiner organischen Gesamtheit und rassischen Reinheit" gründen. Mit der Judenverfolgung suchte man das eine, mit dem Zweiten Weltkrieg das andere Ziel zu erreichen.