Nationalbewusstsein

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Zugehörigkeitsgefühl zu einer Nation, auch im Sinne von Stolz auf diese Zugehörigkeit. Ein deutsches Nationalbewusstsein entwickelte sich durch die napoleonische Bedrohung aus dem Reichsgedanken des Mittelalters und der kulturell-sprachlichen Bindung an eine gemeinsame Tradition. Im Kampf um die staatliche Einheit und später aus der Enttäuschung über die nur kleindeutsche Verwirklichung entartete das Nationalbewusstsein zum Nationalismus und schließlich im und nach dem Ersten Weltkrieg zum Chauvinismus. In dieser aggressiven Ausprägung nutzte Hitler das deutsche Nationalbewusstsein zur Gewinnung der Massen und der nationalkonservativen Eliten für seine weit über die propagierten Revisionsforderungen hinausgehenden Ziele. Ihr katastrophales Scheitern diskreditierte nachhaltig nationalistische Konzepte, die nach 1945 im geteilten Deutschland und Europa ohnehin politisch überlebt und ökonomisch wie militärisch illusorisch waren.