Nationalkirche

    Aus Lexikon Drittes Reich

    im engeren Sinne eine auf Reichsebene geeinte Deutsche Evangelische Kirche; als nationalsozialistisches Fernziel die deutsche Einheitskirche über alle Konfessionsgrenzen hinweg. Zur Bildung einer solchen Nationalkirche hätte nicht nur die deutsche katholische Kirche ihre Rombindung aufgeben und die evangelische Kirche ihre föderalistische Gliederung überwinden müssen, das Christentum selbst hätte sich von seinem Stifter lösen müssen. Insofern zielte die Nationalkirchen-Propaganda, mit der die so genannte Entkonfessionalisierungspolitik begründet wurde, letztlich auf die Zerstörung der großen kirchlichen Gemeinschaften überhaupt. Unter dem Vorwand, dem Christentum den "Charakter einer Ausländerreligion" nehmen zu wollen durch Bindung der Kirchen an die "deutsche Aufgabe" und Reinigung vom "jüdischen Schwindel", sollte eine Nationalkirche zur Entchristlichung entstehen. Der Plan, den nicht einmal seine Verfechter wie die Deutschen Christen und ihre Nachfolgeorganisationen (Parole: "Ein Führer! Ein Volk! Ein Gott! Ein Reich! Eine Kirche!") durchschauten, scheiterte im Kirchenkampf am Widerstand beider Konfessionen und auch an Hitlers Desinteresse, der, nach dem Burgfrieden im Krieg, eine Gewaltlösung der Kirchenfrage vorzog.