Nationalkomitee "Freies Deutschland"

    Aus Lexikon Drittes Reich

    am 12./13. 7. 43 in Krasnojarsk bei Moskau (späterer Sitz Lunjowo bei Moskau) von Kriegsgefangenen (meist Überlebenden der 6. Armee aus Stalingrad), Mitgliedern der kommunistischen Exilführung (u. a. Ulbricht, W. Pieck, W. Florin, A. Ackermann, H. Matern) und antifaschistischen Schriftstellern (u. a. J. R. Becher, W. Bredel, T. Plievier, G. von Wangenheim) gegründete Organisation. Durch eine eigene schwarz-weiß-rot umrandete Wochenzeitung "Freies Deutschland" (Chefredakteur R. Herrnstadt), einen gleichnamigen Rundfunksender (Chefredakteur A. Ackermann), Flugblätter und Lautsprecher versuchte das Nationalkomitee auf die deutschen Offiziere und Soldaten an der Ostfront einzuwirken. Am 14. 9. 43 wurde die enge Zusammenarbeit mit dem Bund Deutscher Offiziere (BDO) durch die Berufung seines Vorsitzenden, des Generals von Seydlitz-Kurzbach, zu einem der Vizepräsidenten des Nationalkomitees (Präsident E. Weinert) institutionalisiert. Die Leitlinie der politischen Propaganda wurde nach der Konferenz von Teheran (28. 11./1. 12. 43) geändert: Vorher zielten die Parolen im Zeichen der alten Farben des kaiserlichen Deutschlands und einer Beschwörung der traditionellen preußisch-russischen Freundschaft auf den Sturz Hitlers, eine Zusammenarbeit mit der deutschen Armeeführung und den geordneten Rückzug der Wehrmacht auf die Reichsgrenzen mit dem Ziel eines ehrenvollen Sonderfriedens, gegebenenfalls sogar unter Respektierung der Grenzen von 1937. Ab Anfang 44 nach einer Verbesserung der Beziehungen zu den Westmächten wandten sich die Aufrufe an das deutsche Volk und seine Soldaten und gegen den Faschismus und seine konservativen Helfershelfer und forderten zur "Volkserhebung", zur bedingungslosen Einstellung des aussichtslosen Kampfs und zur Desertion auf. Trotz des "Aufrufes der 50 Generäle an Volk und Wehrmacht" zur "rettenden Tat gegen Hitler" (8. 12. 44) blieb die Frontagitation nahezu ohne Wirkung: Blindes Vertrauen der Fronttruppen in Hitler und die Angst vor der sowjetischen Kriegsgefangenschaft hielten bis zuletzt vom Überlaufen ab. Von Hitler als "Verräter" gebrandmarkt, wurden die Vertreter des Nationalkomitees und des BDO auch von den Mitgliedern des innerdeutschen Widerstands sehr kritisch beurteilt. Nachdem führende Kommunisten als Gruppe Ulbricht am 30. 4. 45 nach Berlin abgereist waren, um die Nachkriegsordnung in der sowjetischen Besatzungszone mit aufzubauen, wurden Nationalkomitee und BDO am 2. 11. 45 aufgelöst.