Nationalpolitische Erziehungsanstalten

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (NPEA, auch Napola), höhere Schulen in Internatsform, denen die Kultusministerien der Länder einen politischen Sonderstatus als Ausleseschulen zuerkannten. Am 19. 4. 33 wurden in Preußen die ersten "Staatlichen Bildungsanstalten", die aus den 1919 verbotenen Kadettenanstalten entstanden waren, umgewandelt in dem Ministerium direkt unterstellte Schulen, deren Lehrer und Schüler "neu zusammengesetzt" und mit einer "Hitleruniform" versehen werden sollten. Ihr Unterrichtsplan sollte "völlig neu" gestaltet werden, wurde aber 1939 dem Lehrplan der Oberschulen bzw. Gymnasien wieder angepasst. Preußen richtete eine "Inspektion" für diesen Schulverband ein, die 1936 vom Organisationsleiter der SS, Heißmeyer, zunächst im Nebenamt, übernommen wurde. Im November 38 konnte er die Schulaufsicht über alle Schulen des neuen Typs, auch in den außerpreußischen Ländern, beanspruchen. 1944 gab es in Preußen 13, in den anderen Ländern neun und außerhalb des "Altreichs" 13 NPEA, davon eine für Mädchen. Vier Anstalten waren Gymnasien, drei hatten Aufbauzweige und zwei "Sonderzüge" für die fliegerische Ausbildung eingerichtet.

    Der ursprüngliche Plan, die Schulen nach dem Vorbild der englischen public schools in weitgehender Eigeninitiative der Anstaltsleiter als "nationalpolitische" Organisation von Lehrern und Schülern aufzubauen und altersmäßig gemischte Erziehungsgruppen unter jugendlichen Führern einzurichten, wurde bald zugunsten einer schematischen Lösung der Führung von "Zügen" und "Hundertschaften" durch Erzieher und durch Schüler aufgegeben. Heißmeyer verfügte 1936 die Eingliederung der Schüler in die HJ, nicht aber der Erzieher, wie es an den mit den NPEA konkurrierenden Adolf-Hitler-Schulen geschah. Die Betonung des Wehrsports und der musischen Ausbildung erfuhr durch drei außerschulische "Einsätze" noch eine Ausweitung: Landdienst im "Osten", Fliegerschulung und Arbeit im Industriebetrieb, später im Bergwerk. Auch die Tradition der Schülerfahrten ins Ausland wurde fast ausschließlich von der NPEA weitergeführt.

    Reichsminister Rust bezeichnete sie als Versuchs-, aber auch als Musteranstalten, in denen die Verkoppelung von Schulunterricht, nationalsozialistischer "Formationserziehung" und Bewährung in "Einsätzen" erprobt werden konnte, wie sie von 1941 an tatsächlich in vielfältigen Typen von Internatsschulen (Deutsche Heimschulen, Lehrerbildungsanstalten, Lager der Kinderlandverschickung) praktiziert wurde. Das Prestige von Ausleseschulen wurde z. T. durch strenge innerschulische Auslese gewahrt, den Absolventen (1 % der Abiturienten) aber die Berufswahl freigestellt. Erst ab 1943 war der Besuch generell kostenlos. Dem Verband der NPEA sind auch die "Reichsschulen" zuzurechnen, von denen zwei in den Niederlanden und eine 1943 in Belgien eingerichtet wurden. Schon zuvor waren "Tochtergründungen" einzelner NPEA jenseits der Reichsgrenzen erfolgt. Die Verlegung von Schuleinrichtungen in politisch renitente Gebiete spricht dafür, dass nach 1941 ihre politische Funktion als Jugendgarnison höher bewertet wurde als die Ausbildung einer "Elite".