Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (NSBO), gewerkschaftsähnlicher Zusammenschluss von nationalsozialistisch gesinnten Arbeitnehmern nach kommunistischem Muster. Die NSBO entstand aus spontanen Gruppenbildungen zunächst in Berliner Betrieben ("Nationalsozialistischer Arbeiterkampfbund", 1927/28), später auch in einigen anderen Gebieten. Am 30. 7. 28 wurde beim Gau Berlin ein "Sekretariat für Arbeiterangelegenheiten" eingerichtet, das die Arbeit der Einzelbetriebszellen koordinierte und am 1. 5. 30 nach einem Plan von R. Muchow zur Gaubetriebszellenabteilung aufgewertet wurde. Lange sträubte sich die Reichsleitung der NSDAP, diese Sonderorganisation zu akzeptieren, übernahm aber schließlich das Berliner Modell, damit die betriebliche Bewegung nicht aus dem Ruder lief: Am 15. 1. 31 entstand unter Abteilungsleiter (Dezember 32 Amtsleiter) W. Schuhmann die Reichsbetriebszellenabteilung (8. 3. 31: NSBO) bei der Reichsleitung; Zeitschrift (seit 1. 3. 31): "Das Arbeitertum".

    Die NSBO verstand sich, auch nach Hitlers Willen, als "SA der Betriebe" mit dem Auftrag der "geistig-politischen Gewinnung der Arbeitnehmerschaft", nicht aber als Gewerkschaft. Es sollte u. a. vermieden werden, dass man in aussichtslose Konkurrenz zu den Unterstützungsleistungen der freien und der Christlichen Gewerkschaften geriet. Die wollte man im Gegenteil durch Doppelmitgliedschaft anzapfen, was zu erheblichen Reibungen und die NSBO schließlich doch in gewerkschaftliches Fahrwasser führte: NSDAP-Mitglieder wurden nämlich mit Vorliebe bei Eintritt von Arbeitslosigkeit von den Gewerkschaften ausgeschlossen, so dass die NSBO auch für diese Hilfen gewähren musste, nachdem sie schon bei Streiks für ihre Mitglieder – Mai 32 ca. 100 000, Ende Mai 33 ca. 730 000 – einsprang. Das erleichterte nach der Machtergreifung ihre Gleichstellung mit den traditionellen Gewerkschaften (April 33) und nach deren Zerschlagung (2. 5. 33) die Übernahme einiger ihrer Funktionen.

    Nicht aller, denn z. B. Streik war laut Hitler nur so lange ein legitimes Mittel, "als nicht ein nationalsozialistischer völkischer Staat besteht". In den Augen der nationalsozialistischen Führung war dieser Staat spätestens seit dem Ermächtigungsgesetz Realität, nicht aber nach Meinung des sozialrevolutionären Flügels der Partei, zu dessen Stütze neben der SA die NSBO geworden war. Auch hier wurden Forderungen nach einer Zweiten Revolution laut, die erst verstummten, als beim Blutbad der Röhm-Affäre (30. 6. 34) mit G. Strasser und Schleicher die einstigen Planer einer Gewerkschaftsachse umgebracht wurden. Die NSBO wurde in der Folge immer weiter entmachtet, u. a. Entzug des Rechts auf Beitragserhebung, und schließlich im Januar 35 als Hauptamt in die Deutsche Arbeitsfront eingegliedert.