Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (NSDAP), Staatspartei in der nationalsozialistischen Diktatur.

    Am 5. 1. 19 gründeten Drexler und K. Harrer in München die Deutsche Arbeiterpartei (DAP). Am 24. 2. 20 wurde sie in NSDAP unbenannt. Am 29. 7. 21 wählte sie Hitler, der sich ihr im September 19 angeschlossen hatte, zu ihrem mit fast unbeschränkten Vollmachten ausgestatteten Vorsitzenden (u. a. Recht zur Ernennung aller Parteifunktionäre). Nach dem von ihr (mit-)getragenen Hitlerputsch (8./9. 11. 23) wurde die NSDAP verboten, bestand aber in Form der "Großdeutschen Volksgemeinschaft" und der "Nationalsozialistischen Freiheitsbewegung Großdeutschlands" weiter und wurde am 27. 2. 25 neu gegründet. Parteiemblem der NSDAP war ab Frühjahr 20 das Hakenkreuz, ihr Organ ab Dezember 20 der "Völkische Beobachter".

    Die NSDAP war eine rechtsradikale Partei mit einer im "25-Punkte-Programm" (Parteiprogramm) vom 24. 2. 20 enthaltenen nationalistischen und großdeutschen, imperialistischen und militaristischen, völkischen und antisemitischen, antiliberalen und antiparlamentarischen, mittelständischen und antikapitalistischen Programmatik ( Nationalsozialismus). In gewollter Abgrenzung von den "Systemparteien" der Weimarer Republik verstand sich die NSDAP als Partei "neuen Typs", "Sammlungspartei" und "Bewegung". Ihre Struktur und Organisation war antidemokratisch, zentralistisch und autoritär, ganz ausgerichtet auf den (ab 1922 so bezeichneten) "Führer" Hitler ( Führerprinzip). Oberstes Organ der Partei war die Reichsleitung mit dem Führer und der Kanzlei des Führers bzw. (ab 1941) der Parteikanzlei an der Spitze und den einzelnen Reichsleitern: dem Stellvertreter des Führers (1925-32 G. Strasser, 1933-41 Heß) bzw. (ab 1941) dem Sekretär des Führers (Bormann), dem Reichspropagandaleiter, dem Reichsschatzmeister, dem Reichspressechef u. a. Als Hauptämter bestanden die Reichsorganisationsleitung, die Reichspropagandaleitung (ab 1929 unter Goebbels), das Außenpolitische Amt (unter Rosenberg), das Kolonialpolitische Amt, die Reichsleitung für die Presse (unter Amann) sowie von 1931 an die Auslandsabteilung der NSDAP. Regional war die NSDAP in Gaue (1935: 35, 1940: 41), Kreise, Ortsgruppen, Zellen und Blocks gegliedert; ihre Leiter (Gau-, Kreis-, Ortsgruppen-, Zellenleiter und Blockwarte) bildeten zusammen das "Korps der Politischen Leiter". Angeschlossen waren der Partei die paramilitärischen Verbände der Sturmabteilung (SA), der Schutzstaffel (SS), des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK) und des Nationalsozialistischen Fliegerkorps (NSFK), die Hitler-Jugend (HJ) und die Nationalsozialistische Frauenschaft (NSF) sowie zahlreiche berufsständische Organisationen; die Deutsche Arbeitsfront (DAF) galt als "betreute Organisation". Nach ihrer Mitgliederstruktur war die NSDAP eine mittelständische, (klein-)bürgerliche Partei, in der Angestellte, Selbständige (Handwerker, Gewerbetreibende) und Beamte überproportional vertreten waren.

    In den 20er Jahren war die NSDAP, trotz steigender Mitgliederzahlen (1922: 6 000, 1923: 55 000), eine politisch unbedeutende Splitterpartei: Bei den Reichstagswahlen 1924 erhielt die "Nationalsozialistische Freiheitsbewegung" nur 3,0 %, 1928 die NSDAP nur 2,6 % der Stimmen. Erst in der Endphase der Republik erwies sich Hitlers Legalitätstaktik (Erringung der Macht nicht durch Revolution oder Putsch, sondern auf legalem, parlamentarischem Weg), mit der er sich gegen seine "linke" innerparteiliche Opposition (um die Brüder O. und G. Strasser) durchsetzte, als wirkungsvoll: Bei den Reichstagswahlen vom 14. 9. 30 erhielt die NSDAP 6,4 Millionen (= 18,3 %) Stimmen und 107 Sitze, am 31. 7. 32 schon 13,8 Millionen (= 37,4 %) und 230 Sitze, war damit die mit Abstand stärkste deutsche Partei und blieb dies, trotz Stimmverlusten bei den Wahlen vom 17. 11. 32 (11,7 Millionen = 33,1 % und 196 Sitze). Schon im Januar 30 war Frick als erster Nationalsozialist Mitglied einer Landesregierung (in Thüringen) geworden. Im Mai 1932 hatte die NSDAP erstmals bei einer Landtagswahl (in Oldenburg) die absolute Mehrheit errungen. Gleichzeitig stieg auch die Zahl ihrer Mitglieder: von rund 400 000 (1930) über rund 800 000 (1931) auf knapp eine Million (Januar 33). Diese Erfolge hatte die NSDAP weniger ihrer Programmatik zu verdanken (v. a. ihre antikapitalistischen Programmpunkte gerieten völlig in den Hintergrund) als – nebst den Schwächen und Fehlern ihrer politischen Gegner – ihrer massenpsychologisch äußerst geschickten und wirkungsvollen Propaganda, dem die politischen Gegner einschüchternden Terror der SA und nicht zuletzt ihrem Bündnis mit der "nationalen" Rechten ( Harzburger Front).

    Nachdem Hitler die finanzielle und politische Krise, in die die NSDAP Ende 32 geraten war, zu seinen Gunsten hatte entscheiden können (G. Strasser legte am 8. 12. 32 seine Parteiämter nieder), wurde er am 30. 1. 33 zum Reichskanzler ernannt ( Machtergreifung). Die NSDAP war damit Regierungspartei. Das Gesetz vom 14. 7. 33 (über das Verbot der Neubildung von Parteien) machte sie, die bei den Reichstagswahlen vom 5. 3. 33 die absolute Mehrheit verfehlt hatte (43,9 % der Stimmen und 288 Sitze von 647), zur Staatspartei, d. h. zur einzigen (zugelassenen) Partei, und das Deutsche Reich zu einem Einparteienstaat; das Gesetz "zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat" vom 1. 12. 33 legalisierte diesen Zustand, der bis zur Kapitulation des Deutschen Reichs am 8. 5. 45 fortbestand ( Gleichschaltung). Ihre Mitgliederzahl stieg auf 2,5 Millionen (1935) und schließlich auf 8,5 Millionen (1945). In der nationalsozialistischen Diktatur hatten die NSDAP und ihre Gliederungen v. a. die Funktion, die Bevölkerung total zu erfassen und für die Ziele der nationalsozialistischen Politik zu mobilisieren, wobei den jährlich in Nürnberg stattfindenden Reichsparteitagen besondere Bedeutung zukam. Hitlers wichtigstes Machtinstrument war dabei, nach der Ausschaltung der SA 1934 (Röhm-Affäre), die von Himmler geführte SS. Die Durchführung der Politik blieb im Wesentlichen Aufgabe der staatlichen Bürokratie; der (teilweise) Gegensatz und die Kompetenzkämpfe zwischen ihr und der Partei, aber auch die Rivalitäten innerhalb der NSDAP und ihre Verbürokratisierung waren ein Kennzeichen des nationalsozialistischen Herrschaftssystems ("Polykratie").

    Am 10. 10. 45 wurde die NSDAP durch das Gesetz Nr. 2 des Alliierten Kontrollrats mit allen ihren Gliederungen und angeschlossenen Verbänden verboten und aufgelöst (Entnazifizierung).