Naturrecht

    Aus Lexikon Drittes Reich

    der Verfügung des Einzelnen und des Staats entzogenes Recht, das als das wahre, gerechte und richtige Recht unbedingte Geltung beanspruchen kann (z. B. die allgemeinen Menschen- und Bürgerrechte im neuzeitlichen Naturrechtsdenken). Gleichgültig, ob auf göttlicher oder menschlicher Vernunft begründet, beansprucht das Naturrecht Vorrang vor dem nur staatlich festgelegten positiven, gesetzlichen Recht. Auch die nationalsozialistische Rechtslehre behauptete, ein höherwertiges, vorrangiges Rechtsprinzip zu vertreten gegenüber den überkommenen "liberalistischen" rechtsstaatlichen Gesetzen. Dabei ging es ihr aber um die Abschaffung jeglicher moralischer und normativer Bindung der Staatstätigkeit und der politischen Maßnahmen der NSDAP. Bindet das Natturrecht in seinem Selbstverständnis jedermann, also selbst die oberste Staatsgewalt, so setzte die nationalsozialistische Rechtslehre demgegenüber die ungehemmte Führergewalt frei (z. B. durch Anerkennung des "Tatrechts" der politischen Führung als vorrangige Rechtsquelle). In der Definition "Recht ist, was arische Männer für recht befinden" (Rosenberg), hatte sich das Recht selbst aufgehoben.