Natzweiler

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (Struthof), nationalsozialistisches KZ – offizieller Eröffnungstermin 1. 5. 41 – in der Nähe des gleichnamigen elsässischen Dorfs in den nördlichen Vogesen, etwa 50 km südwestlich von Straßburg. Ursprünglich für 1 500 Häftlinge geplant (Herbst 44 Belegung mit rund 7 000 Häftlingen; zusammen mit Außenkommandos 20 000-25 000). Häftlinge der verschiedensten Nationalitäten arbeiteten in Granitsteinbrüchen des SS-Unternehmens Deutsche Erd- und Steinwerke (DEST), beim Straßenbau und im Stollenbau (unterirdische Rüstungsindustrie) sowie beim Ölschieferabbau auf der Schwäbischen Alb (Deutsche Olschiefer-Forschungs-GmbH). Das Lager hatte 49 Außen- und Unterkommandos.

    Ab Sommer 43 wurden französische und später auch norwegische NN-Häftlinge (Nacht-und-Nebel-Erlass) inhaftiert, die verschärften Schikanen ausgeliefert waren. Es gab unter den Häftlingen zahlreiche Opfer infolge Hunger, Krankheit, Erschöpfung, Misshandlungen, Erschießungen "auf der Flucht", Erhängungen u. a.

    Hinzu kamen die Opfer medizinischer Versuche an Häftlingen in Zusammenarbeit mit Medizinern der "Reichsuniversität" Straßburg: Versuche des Anatomieprofessors Hirth mit dem Kampfmittel Lost und Anlegung einer Schädel- und Skelettsammlung, für die Häftlinge aus Auschwitz nach Natzweiler gebracht und dort in einer kleinen Gaskammer mit Cyanhydratsalzen vergast wurden; die Leichen wurden zur Skelettierung nach Straßburg überführt. Außerdem gab es Versuche an Häftlingen mit Fleck- und Gelbfieber sowie Phosgengas.

    Beim Heranrücken der Alliierten wurde das Hauptlager im September 44 aufgelöst, und die Häftlinge wurden auf die Außenkommandos verteilt. Die Zahl der Opfer wird mit 5 000-6 000 – nach anderen Angaben 12 000 – einschließlich Außenkommandos angegeben. Nach dem Krieg wurde eine französische Gedenkstätte "Le Struthof" (nach dem Namen eines kleinen Anwesens in der Nähe des Lagers) auf dem ehemaligen Lagergelände errichtet. Kommandanten von Natzweiler: Egon Zill (1955 zu lebenslanger Haft verurteilt, zu 15 Jahren begnadigt, 1974 verstorben), Fritz Hartjenstein (zum Tod verurteilt, 1954 in französischer Haft gestorben), Hans Hüttig (in Frankreich zu lebenslanger Haft verurteilt, 1956 entlassen), Heinrich Schwarz (1947 in Sandweier hingerichtet).