Neue Deutsche Heilkunde

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Versuch der Begründung einer völkischen Medizin, die naturgemäße Heilmethoden mit der Schulmedizin in einer Synthese vereinigen und eine Abkehr von der "jüdischen Fabrikmedizin" bringen sollte. Von Heß und Streicher besonders gefördert, kam es im Mai 35 in Nürnberg anlässlich der Ausstellung "Volksheilkunde aus Blut und Boden" zur Gründung der Reichsarbeitsgemeinschaft für eine Neue Deutsche Heilkunde, die die Krise der Medizin auch organisatorisch überwinden sollte. Fundament der Neuen Deutschen Heilkunde sollte "die nationalsozialistische Weltanschauung von den natürlichen, den biologischen Grundsätzen allen Geschehens sein" (Reichsärzteführer G. Wagner). Als historischer Ziehvater versuchte die Neue Deutsche Heilkunde ohne Erfolg Paracelsus für sich zu reklamieren. Zu der angestrebten Synthese kam es jedoch nicht, die Schulmedizin setzte sich durch, die Reichsarbeitsgemeinschaft wurde Anfang 37 aufgelöst. Spätes Ergebnis der Bemühungen um eine Neue Deutsche Heilkunde war das Heilpraktikergesetz von 1939, das zwar den Heilpraktikerstand zum ersten Mal anerkannte, die Ausübung der Heilkunde aber von einer staatlichen Zulassung abhängig machte.