Neuengamme

    Aus Lexikon Drittes Reich

    nationalsozialistisches KZ, errichtet im Dezember 38 als Außenlager des KZ Sachsenhausen im Dorf Neuengamme knapp 30 km östlich von Hamburg. Neuengamme war zunächst mit 500 Häftlingen belegt, die beim Aufbau des Lagers beschäftigt wurden. Im Lauf der Zeit gingen schließlich 87 000 männliche und 13 500 weibliche Häftlinge aller europäischen Nationen durch das Lager. Im Juni 40 wurde Neuengamme selbständiges KZ. Die Häftlinge arbeiteten in einem großen Klinkerwerk an der Herstellung von Ziegelsteinen, bei Elbregulierungsmaßnahmen und besonders in den im Lauf der Zeit errichteten Außenkommandos und Nebenlagern – insgesamt 74 – für verschiedene Zwecke der Rüstungsindustrie.

    Die schlechten Arbeits-, Unterbringungs- und Hygieneverhältnisse forderten viele Opfer, ebenso wie Misshandlungen und Tötungen durch das SS-Wachpersonal. Zahlreiche sowjetische Kriegsgefangene oder politische Gefangene wurden von der Gestapo ins Lager gebracht und dort erschossen oder erhängt. 20 jüdische Kinder im Alter bis zu zwölf Jahren wurden im April 45 im Außenkommando in der Schule Bullenhuserdamm erhängt, um die an ihnen ausgeführten Tuberkuloseexperimente nicht bekannt werden zu lassen. Ebenfalls im April 45 wurde das Lager evakuiert. Der größte Teil der Häftlinge wurde auf die in der Neustädter Bucht liegenden Schiffe "Deutschland", "Cap Arcona" und "Thielbek" gebracht, die am 3. 5. 45 Opfer eines britischen Bombenangriffs wurden. Dabei kamen mehr als 7 000 Häftlinge aus Neuengamme um. Insgesamt verloren im KZ Neuengamme 56 000 Menschen ihr Leben.

    In den von den Häftlingen erbauten Steinhäusern des Lagers ist heute die Strafanstalt Neuengamme untergebracht. Auf dem Lagergelände erinnern eine Gedenkstätte und ein Dokumentenhaus an die KZ-Zeit. Kommandanten von Neuengamme: Martin Weiß (1946 hingerichtet), Max Pauly (1946 hingerichtet).