Niederlande

    Aus Lexikon Drittes Reich

    im Westen an Deutschland grenzendes Königreich mit 34 222 km² und rund 7,9 Millionen Einwohnern (1930). Nach einem Jahrzehnt innenpolitischer Ruhe und eines entspannten Verhältnisses zu Deutschland (Asyl für Wilhelm II. in Doorn) führten die Weltwirtschaftskrise und die Ausstrahlung des Nationalsozialismus nach 1933 zu steigenden Befürchtungen um die neutrale Unabhängigkeit (28. 8. 39 allgemeine Mobilmachung), zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten und zu einer Radikalisierung des politischen Lebens (Gründung einer rechtsradikalen "Nationaal Socialistische Beweging" unter Mussert). Die Sorgen erwiesen sich als berechtigt: 10. 5. 40 deutscher Einfall ohne Kriegserklärung unter Verletzung der Neutralität (Frankreichfeldzug), 13. 5. 40 Flucht des Königshauses unter Königin Wilhelmina und der Regierung nach London und Gründung einer Exilregierung, 15. 5. 40 Kapitulation der Niederlande; 25. 5. 40 Errichtung eines "Reichskommissariates für die Niederlande" unter Seyß-Inquart mit unterstellten niederländischen Staatssekretären als Zivilregierung neben dem Militärbefehlshaber General Christiansen.

    Eine harte deutsche Besatzungspolitik bezog die niederländischen Juden mit dem großen Amsterdamer Pogrom 1941 schrittweise in die Endlösung ein (A. Frank), zielte auf die Nazifizierung und Gleichschaltung des "artverwandten germanischen Landes", die Infragestellung seiner volklichen und nationalen Selbständigkeit und seine wirtschaftliche Ausbeutung (Verschleppung von Zwangsarbeitern nach Deutschland). Sie ließ einer Kollaboration mit Hilfe der Mussert-Bewegung und der "Nederlandse Volkunie" keine Chance und provozierte laufend Solidarisierungs- (mit den Juden) und Streikbewegungen in der Bevölkerung mit Unterstützung der Linksparteien und der Kirche. Die Verteidigung der "Festung Holland" nördlich der Deltalinie brachte den Niederlanden zwischen September 44 und der deutschen Kapitulation am 5. 5. 45 eine achtmonatige Leidenszeit mit Hungersnot, verschärftem Besatzungsregime, zunehmenden Sabotage- und Widerstandsakten (mehrmonatiger Eisenbahnerstreik) und weiten Zerstörungen (Überflutung großer Landesteile nach Öffnung der Schleusen für Zwecke der Verteidigung) und sollte die Beziehungen zu Deutschland noch lange nach Kriegsende belasten. Bereits in London unternahm die Exilregierung wichtige Schritte zum übernationalen Zusammenschluss in der Benelux: 21. 10. 43 Währungsunion, 5. 9. 44 Zollvertrag. Am 28. 6. 45 kehrte die Königin zurück.