Nihilismus

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (von lateinisch nihil = nichts), erstmals in Turgenjews Roman "Väter und Söhne" (1862) verwendeter, von den sozialkritischen russischen Anarchisten und den Geisteswissenschaften übernommener Begriff, der eine Geisteshaltung totaler Verneinung sämtlicher Sinngehalte des Lebens zu fassen sucht. Der Nihilismus fällt ein "vernichtendes" Werturteil über die herrschenden metaphysischen und moralischen Normen, ohne eine alternative philosophische oder politische Ordnung anzubieten, und wird in der zeitgenössischen Philosophie (Sartre, Adorno) als ehrliche emanzipatorische Position diskutiert. Die Zweischneidigkeit des Begriffs wird bei Nietzsche deutlich, der den Nihilismus einerseits polemisch als Folge der Jahrtausende alten Herrschaft des von "lebensverneinenden Instinkten" regierten Christentums, andererseits positiv als "reinigenden Glauben an den Unglauben" charakterisiert, der eine "Umwertung aller Werte" und damit die Entstehung einer neuen, von keiner Macht korrumpierten Humanität möglich macht. Bei aller Nietzsche-Verehrung konnten die Nationalsozialisten so weit nicht folgen und zogen eine vulgär-rassistische Definition des Nihilismus vor: "Allesverneinende dekadente Geisteshaltung in Zeiten rassischen Verfalls mit dem Ziel der Vernichtung der europäischen Kultur durch das Judentum."