Norwegen

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Königreich in Skandinavien mit 322 538 km² und rund 2,8 Millionen Einwohnern (1939). Norwegen entwickelte sich in der Zwischenkriegszeit auf der Grundlage von Holz und Wasserkraft und mit betont sozialstaatlichem Einschlag vom Bauern- zum verstädterten Industrieland und zur viertgrößten Schifffahrtsnation der Welt. Nach außen hielt es gemeinsam mit Schweden an der nordischen Völkerbunds- (F. Nansen) und Neutralitätspolitik fest, dokumentierte aber seine Ablehnung des nationalsozialistischen Regimes in der Verleihung des Friedensnobelpreises 1935 an Ossietzky.

    Der sowjetisch-finnische Winterkrieg 1939/40 und die zentrale strategische Bedeutung Narviks als Umschlagplatz für 40 % der deutschen Eisenerzeinfuhr aus Schweden rückten Norwegen zur gleichen Zeit verstärkt in das Blickfeld sowohl der Deutschen als auch der Westalliierten: 8. 4. 40 Verminung der norwegischen Küstengewässer durch alliierte Schiffe, 9. 4. 40 Beginn des deutschen Norwegenfeldzugs. Anfang Juni verließen König Haakon, die Regierung und Teile des Stortings das Land, richteten in London eine Exilregierung ein und setzten den Kampf mit norwegischen Heeres-, Marine- und Luftwaffenkontingenten von außen her fort; 10. 6. 40 Einstellung der Kampfhandlungen in Norwegen.

    Am 24. 4. 40 war der Essener Gauleiter Terboven zum "Reichskommissar für die besetzten norwegischen Gebiete" ernannt worden. Nachdem Quisling als Führer einer kleinen faschistischen Splitterpartei, der "Nasjonal Samling", und selbsternannter Staatsminister bereits nach einer Woche (9.-15. 4. 40) mangels einheimischer Unterstützung hatte zurücktreten müssen, amtierten unter Terboven nacheinander ein norwegischer Administrationsrat aus hohen Beamten, vom 25. 9. 40 an ein aus zwölf Mitgliedern bestehender kommissarischer Staatsrat bei gleichzeitiger Erklärung der "Nasjonal Samling" zur einzigen "staatstragenden Partei" und dann ab 1. 2. 42 wiederum Quisling als Ministerpräsident, der am 7. 2. 42 die norwegische Verfassung außer Kraft setzte. Seine zunehmende Isolierung in der norwegischen Bevölkerung zeigte, dass hier die Kollaboration nie eine echte Chance hatte. Wachsender Widerstand gegen die deutsche Besatzung und gegen Quisling und die Aktivitäten einer mit London in Verbindung stehenden Untergrundbewegung führten ab 1943 zu Massenverhaftungen (am Ende rund 40 000 Gefangene in KZ), zur Schließung der Universität Oslo, zu Hinrichtungen und schließlich auch zur Deportation von rund 900 Juden (768 ermordet). Am 4. 5. 45 kapitulierten die deutschen Streitkräfte (rund 40 000) kampflos, die Exilregierung kehrte am 31. 5. 45 zurück.