Objektivität

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Bemühen um Beurteilung einer Sache oder eines Sachverhalts unter Ausschaltung subjektiver und sachfremder Einflüsse, Grundlage allen wissenschaftlichen Forschens. Objektivität wurde im nationalsozialistischen Sprachgebrauch geradezu zum Schimpfwort. Unter Berufung auf Nietzsche, der Objektivität als "das untertänige Auf-dem-Bauch-Liegen vor jeder kleinen Tatsache" bespöttelt hatte, wurde sie mit Untüchtigkeit gleichgesetzt. Goebbels wetterte gegen den "Objektivitätsfanatismus" ("Das Reich" 17. 12. 44), Hitler sprach vom "Objektivitätsfimmel" in "Mein Kampf" und lehrte, "nicht Objektivität, also Schwäche, sondern Wille und Kraft" führten zum Erfolg. Diese Sorge vor "zersetzender" Neutralität und Sachlichkeit galt insbesondere der Rechtsprechung: H. Frank forderte die Unterordnung der richterlichen Objektivität unter die "Interessen des Volkes" (Rede 12. 5. 33).