Othmar Spann

    Aus Lexikon Drittes Reich

    österreichischer Nationalökonom und Soziologe

    geboren: 1. Oktober 1878 in Wien gestorben: 8. Juli 1950 in Neustift an der Lafnitz


    1908 Professor in Brünn, 1919-38 in Wien. In seinem Hauptwerk: "Der wahre Staat - Vorlesungen über Abbruch und Neubau der Gesellschaft" (1921) entwickelte Spann das Konzept einer konservativen Revolution mit Rückgriff auf den katholischen Universalismus des Mittelalters. Mit seinen antidemokratischen, antiliberalen und antimarxistischen Thesen wurde er ideologischer Wegbereiter des Austrofaschismus und des österreichischen Ständestaats. Nach Spann nämlich ist Gesellschaft das "Erstwesentliche" und mehr als die Summe ihrer Teile (Individuen). Auch die Nationalsozialisten griffen zunächst auf Spann zurück, verwarfen aber die katholischen Elemente und die strikte Ausrichtung auf ständischen und föderalistischen Gesellschaftsaufbau als "Verkennung der völkischen Interessen". Auch seine Forderung nach einem eigenen jüdischen Territorium auf deutschem Boden als Groß-Getto war den nationalsozialistischen Rasseantisemiten zu maßvoll. Nach dem Anschluss 1938 wurde Spann vorübergehend im KZ Dachau interniert und erhielt danach Lehrverbot.