Otto Bradfisch

    Aus Lexikon Drittes Reich

    SS-Obersturmbannführer

    geboren: 10. Mai 1903 Zweibrücken


    Jurist, 1. 1. 31 NSDAP-Mitglied, seit Anfang 36 bei der Regierung von Oberbayern und im Bayerischen Staatsministerium des Innern, Frühjahr 37 von der Gestapo übernommen und Juli 38 Leiter der Staatspolizeistelle Neustadt a. d. Weinstraße, 26. 9. 38 SS-Eintritt. Zu Beginn des Russlandfeldzugs übernahm Bradfisch die Führung des Einsatzkommandos 8 der Einsatzgruppe B, das im Bereich der Heeresgruppe Mitte an der Vernichtung der Juden beteiligt war. Nach seiner Ablösung wurde ihm im April 42 die Leitung der Staatspolizeistelle Litzmannstadt (Lodz) übertragen, wo er auf Befehl des Reichssicherheitshauptamts die "Umsiedlung" der Juden aus dem Getto (im Wesentlichen) in das Vernichtungslager Kulmhof leitete. Im Sommer 44 wurde Bradfisch Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD in Litzmannstadt. Von Anfang Juli 43 bis Ende 44 war er außerdem kommissarischer Oberbürgermeister der Stadt.


    Nach dem Krieg lebte Bradfisch einige Jahre unter falschem Namen. Wegen seiner Tätigkeit in Russland wurde er durch Urteil des Schwurgerichts beim Landgericht München I vom 21. 7. 61 zu zehn Jahren, wegen seiner Tätigkeit in Litzmannstadt vom Schwurgericht beim Landgericht Hannover am 18. 11. 63 unter Einbeziehung des Urteils des Landgerichts München  I zu 13 Jahren Zuchthaus verurteilt.