Otto Strasser

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Politiker

    geboren: 10. September 1897 in Windsheim gestorben: 27. August 1974 in München


    Kriegsfreiwilliger, Studium der Volkswirtschaft, 1920 vorübergehend SPD-Mitglied, 1921-23 Hilfsreferent im Reichsernährungsministerium. Strasser begann schon 1924 für die NSDAP durch Beiträge im "Völkischen Beobachter" zu wirken, bevor er sich 1925 der Partei anschloss. Für seinen Bruder Gregor führte er ab 1. 3. 26 den Kampf-Verlag in Berlin und arbeitete im Sinne einer "sozialistischen" Ausrichtung der NSDAP. Wie Gregor forderte er die Sozialisierung der Schwerindustrie und warnte vor dem faschistischen italienischen Modell, dessen sozialer Frieden Kirchhofsruhe auf Kosten der Arbeiter sei. Seine prosowjetische und antiwestliche außenpolitische Linie verschärfte den Konflikt mit Hitler weiter, den auch ein Gespräch am 21./22. 5. 30 nicht entschärfen konnte. Strasser verließ am 4. 7. 30 die Partei, gründete eine "Kampfgemeinschaft revolutionärer Nationalsozialisten" und schloss sie mit anderen Gruppen (Nationalbolschewisten, enttäuschte Kommunisten u. a.) zur "Schwarzen Front" zusammen. Nach der Machtergreifung emigrierte Strasser und setzte den publizistischen Kampf gegen Hitler von Österreich, der Schweiz (1938) und Portugal (1940) fort. 1943 fand er in Kanada Aufnahme und kehrte 1955 nach Deutschland zurück. Seine Publikationen (u. a. "Hitler und ich", englisch 1940, deutsch 1948; "Exil", 1958) und seine politischen Initiativen (u. a. Gründung der bedeutungslosen Deutsch-sozialen Union, 1956) zeigten, dass Strasser an den früh-nationalsozialistischen und antisemitischen Ideen festhielt.