Otto Wels

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Politiker

    geboren: 15. September 1873 in Berlin gestorben: 16. September 1939 in Paris


    Bereits vor dem Ersten Weltkrieg hatte sich Wels zu einem der führenden Funktionäre der SPD hochgearbeitet. Als scharfer Gegner des linken Flügels verhinderte Wels 1918 als Stadtkommandant von Berlin eine Radikalisierung der Novemberrevolution; als Sprecher der SPD-Reichstagsfraktion beeinflusste er nachhaltig die Außenpolitik der Weimarer Republik (Sicherung des Locarnopakts). Insgesamt pragmatisch und auf den Organisationsapparat der Partei orientiert, bemühte sich Wels um eine eher bürgerlich ausgerichtete SPD-Politik, tolerierte 1930-32 das Kabinett Brünings und warb 1932 für die Wiederwahl Hindenburgs als Reichspräsident. Am 23. 3. 33 gab Wels vor dem Reichstag in einer mutigen Rede die Stellungnahme der SPD-Fraktion gegen das Ermächtigungsgesetz ab. Auf Beschluss des Parteivorstands ging Wels nach dem 1. 5. 33 nach Prag, wo er zusammen mit Ollenhauer und Stampfer die Auslandsleitung der SPD aufbaute; 1938 floh er nach Paris und leitete von dort aus bis zu seinem Tode die Exil-SPD.