Palästina

    Aus Lexikon Drittes Reich

    seit 1920 britisches Mandatsgebiet im Nahen Osten, gebildet aus den bis dahin türkischen Verwaltungsbezirken Akko, Nablus und Jerusalem mit 26 300 km2 und 647 500 Einwohnern (1919). Palästina sollte nach der Balfour-Deklaration (1917) den Juden eine "Heimstätte" bieten und wurde daher zum Ziel einer ständigen jüdischen Einwanderungswelle, die mit der einsetzenden nationalsozialistischen Judenverfolgung weiter anschwoll. Machten die Juden 1919 nur etwa 10 % der Bevölkerung aus, so stellten sie 1948 bereits ein Drittel. Gegen diese Tendenz kam es immer wieder schon seit 1920 zu arabischen Aufständen und terroristischer Gegenwehr. Weder die Abtrennung Transjordaniens als rein arabisches Gebiet von Palästina noch Einschränkungen für jüdische Einwanderung und Bodenkäufe brachten Ruhe in das Land. Im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs aber brauchte Großbritannien diese Ruhe und verordnete die Begrenzung der jüdischen Neusiedler auf 10 000 jährlich und insgesamt 75 000, von denen die 1933-39 bereits eingewanderten 33 339 Juden aus dem Deutschen Reich abgezogen wurden. Der arabische Widerstand ging dennoch weiter und führte zur Bildung des jüdischen Schutzbunds Haganah und zu Gegenterror. Von den verfolgten europäischen Juden konnten sich bei unverminderter britischer Haltung gegen weitere Einwanderung nur wenige nach Palästina retten. Vielen erging es wie den Passagieren der "Struma". Erst als das ganze Ausmaß der nationalsozialistischen Endlösung bei Kriegsende offenbar wurde, öffneten sich die Grenzen von Palästina den Überlebenden. Trotz jüdischer Staatsbildung in Palästina blieb die Region ein Krisenherd der Weltpolitik.