Pazifismus

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (lateinisch pax = Frieden), Grundhaltung radikaler Friedfertigkeit sowie die von dieser getragenen politischen Bewegungen. Der Pazifismus als ideologische Größe war eine Folge der Napoleonischen Kriege und kam um die Mitte des 19. Jahrhunderts als Begriff in die internationale Diskussion. Friedensgesellschaften und -vereine, in Deutschland um die Jahrhundertwende aufkommend, machten Pazifismus zu ihrem Programm aus religiösen, ökonomischen, humanitären oder allgemeinen politischen Gründen und forderten die Ächtung des Kriegs und Kriegsdienstverweigerung. Der Erste Weltkrieg wurde ein schwerer Rückschlag für den Pazifismus insbesondere in Deutschland, wo die Agitation der politischen Rechten seinem Einfluss die Niederlage zuschrieb (Dolchstoßlegende). Hinzu kam, dass die pazifistische Forderungen der Friedensverträge und der Völkerbundssatzung nach Abrüstung allein bei den Geschlagenen durchgesetzt wurden, so dass der Pazifismus als "Würgemittel gegen das deutsche Volk" denunziert werden konnte.

    So zeichnete es v. a. die nationalsozialistische Propaganda, die im Pazifismus Volksverrat sah und gegen pazifistische Autoren wie Remarque u. a. und pazifistische Gruppierungen wie die "Liga für Menschenrechte" u. a. polemisierte. Nach der Machtergreifung gab es für sie in Deutschland keine Betätigungsmöglichkeit mehr. Nach nationalsozialistischer Auffassung ging der Pazifismus von der Fiktion der Gleichheit aller Menschen aus und war damit internationalistisch und also gegen das eigene Volkstum gerichtet, dessen Selbstbehauptungswillen er untergrabe. Den Pazifisten wurde Feigheit vorgeworfen und der Appell an "Mutlosigkeit und Trugideen". Sie sähen nicht, dass sie das Geschäft der Feinde Deutschlands, insbesondere des Weltjudentums, besorgten.

    Tatsächlich war der Pazifismus in den westlichen Demokratien weit stärker als in Deutschland und ein wesentlicher Motor z. B. des Appeasement. Hitler kalkulierte bei seiner außenpolitischen Strategie der Drohungen bewusst mit dieser "Verweichlichung", nach vielen Erfolgen letztlich eine Fehlrechnung. Dennoch diskreditierte das Zurückweichen vor der Gewaltpolitik Hitlers den Pazifismus weit über das Kriegsende hinaus und diente noch in den 80er Jahren als Argument gegen die Friedensbewegung. Inzwischen jedoch ist der Pazifismus im nuklearen Zeitalter ohne Alternative.