Pfarrernotbund

    Aus Lexikon Drittes Reich

    am 21. 9. 33 vom Berliner Pfarrer Niemöller und seinen Amtskollegen Jacobi und von Rabenau gegründete Vereinigung evangelischer Geistlicher, die sich gegen die neue kirchliche Ordnung unter einem Reichsbischof (L. Müller), vor allem aber gegen das Eindringen von nationalsozialistischem Gedankengut in die Kirche wandten. Beim Eintritt in den Pfarrernotbund unterschrieben die Seelsorger folgende Erklärung: "1. Ich verpflichte mich, mein Amt als Diener des Wortes auszurichten und allein in der Bindung an die Heilige Schrift und an die Bekenntnisse der Reformation als die rechte Auslegung der Heiligen Schrift. 2. Ich verpflichte mich, gegen alle Verletzung solchen Bekenntnisstandes mit rückhaltlosem Einsatz zu protestieren. 3. Ich weiß mich nach bestem Vermögen mit verantwortlich für die, die um solchen Bekenntnisses willen verfolgt werden. 4. In solcher Verpflichtung bezeuge ich, dass eine Verletzung des Bekenntnisstandes mit der Anwendung des Arierparagraphen im Raum der Kirche Christi geschaffen ist." Diese radikale Besinnung auf das Bekenntnis war im Sommer 33 eingeleitet worden durch die Schrift von Barth "Theologische Existenz heute" und richtete sich gegen den staatlichen Versuch, die Kirche für politische Zwecke zu instrumentalisieren. Zudem wollte der Pfarrernotbund verhindern, "dass sich ein unevangelischer Führerbegriff bei uns einschleicht". Aus dem Bund, dem bereits am 15. 1. 34 mit 7 036 Mitgliedern fast die Hälfte der evangelischen Geistlichen angehörte, ging der Reichsbruderrat hervor, der die Barmer Bekenntnissynode einberief und damit den Anstoß gab zur Organisierung der Bekennenden Kirche. Trotz nie abreißender Verfolgung während des Kirchenkampfs, trotz KZ-Haft Niemöllers (1937-45) gelang es den Behörden nie, den Pfarrernotbund ganz auszuschalten.