Philipp Bouhler

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Politiker und SS-Obergruppenführer (30. 1. 36)

    geboren: 11. September 1899 München gestorben: 19. Mai 1945 bei Dachau


    kaufmännische Lehre; November 21 zum "Völkischen Beobachter"; unter den ersten Mitgliedern der NSDAP und 1922 deren 2. Geschäftsführer, Teilnahme am Hitlerputsch; nach Neugründung der Partei 1925-34 Reichsgeschäftsführer. Bouhler, der im Juni 33 Reichsleiter und MdR geworden war, übernahm die Leitung der am 17. 11. 34 neu geschaffenen Kanzlei des Führers der NSDAP, die allerdings wenig Kompetenzen hatte neben der späteren Parteikanzlei Bormanns. Immerhin war Bouhler verantwortlich für den "Schutz des nationalsozialistischen Schrifttums" und für Gnadengesuche. Eine vorübergehende Schlüsselposition erhielt er, als Hitler ihn zusammen mit K. Brandt am 1. 9. 39 mit der Durchführung des Euthanasie-Programms beauftragte. Als es im August 41 abgebrochen wurde, stellte Bouhler seine Tötungsspezialisten den Vernichtungslagern zur Verfügung. Sein Einfluss sank nun ständig und er suchte Anschluss an Göring, in dessen Gefolge er im Mai 45 von US-Truppen gefangen genommen wurde. Vor Einlieferung ins Internierungslager Dachau nahm er Gift. Bouhler schrieb eine Geschichte der nationalsozialistischen Bewegung ("Kampf um Deutschland", 1938) und eine Napoleon-Biographie ("Kometenbahn eines Genies", 1941), die zu Hitlers Lieblingslektüre gehörte.