Philosemitismus

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Wertschätzung des Judentums, der Juden und der jüdischen Religion, meist als Gegenbewegung zum Antisemitismus. Philosemitismus, der schon im Altertum auftauchte, wurde eine stärkere Strömung v. a. im Zeitalter des Humanismus (Vertreter u. a. der junge Luther, Reuchlin) und der Aufklärung (u. a. Lessing). Oft als Reaktion auf antisemitische Ausschreitungen entstanden, hatte der Philosemitismus auch Wurzeln in der alttestamentarischen Tradition von Judentum wie Christentum und löste daher manche Versuche der Judenmission aus, die meist allerdings zu Rückschlägen führten. Dem Rasseantisemitismus gegenüber erwies sich der Philosemitismus als relativ hilflos und konnte im Dritten Reich nur auf den Schutz des christlichen Gebots der Nächstenliebe bauen, die oft aber auch an den Kirchentüren endete. Philosemitische Regungen für ungetaufte Juden waren die Ausnahme, denn Philosemitismus wurde in der nationalsozialistischen Rassenideologie als "genauso volksgefährdend angesehen wie das Judentum selbst" und entsprechend verfolgt. Erschüttert vom Holocaust, verschrieben sich viele Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg einem unkritischen Philosemitismus, der den Juden erneut eine Sonderrolle zudiktierte. Manche neue antisemitische Regung in Deutschland kann als Reaktion auf solchen Philosemitismus aus schlechtem Gewissen verstanden werden.