Philosophie

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (griechisch Weisheitsliebe), Wissenschaftsdiziplin, die von der Gängelung im Dritten Reich besonders betroffen war. Für die totalitäre Weltanschauung des Nationalsozialismus mussten alle anderen Denkgebäude eine Gefahr darstellen. Der philosophischen Forschung wurden daher Teilaufgaben zur Untermauerung von nationalsozialistischen Positionen gestellt, originäre Denker wie Heidegger oder Jaspers gerieten an den Rand oder wurden verfolgt. An die Stelle von erkenntnistheoretischen Auseinandersetzungen traten mythische Spekulationen um ein "All-Leben" etwa bei Rosenberg oder Krieck, ethische Grundfragen wurden im Sinne einer "politischen Pädagogik" wie bei Baeumler beantwortet, in der philosophischen Psychologie dominierte die "Rassenseelenkunde" z. B. bei Günther oder Clauß, von den großen Philosophen der Vergangenheit wurde insbesondere Nietzsche durch die Nationalsozialisten vereinnahmt. Um ideologischen Kollisionen aus dem Weg zu gehen, beschäftigte sich die Hochschulphilosophie vermehrt mit Philosophiegeschichte oder formalisierten Bereichen der Logik.