Pornografie

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Texte und Bilder, die auf sexuelle Stimulation abzielen und im Deutschen Reich offiziell verboten waren. Bereits 1911 wurde eine Deutsche Zentralstelle (ab 1937 Reichszentrale) zur "Bekämpfung unzüchtiger Bilder, Schriften und Inserate" eingerichtet. Durch Aufhebung und Lockerung der Zensur nach dem Ersten Weltkrieg nahm der Handel von Pornografie in der Weimarer Republik sprunghaft zu; zahlreiche Verlage produzierten ausschließlich für diesen Sektor, bürgerlich-konservative Vereinigungen, besonders Frauenverbände, entstanden, die sich dem Kampf gegen die Pornografie und gegen "Schmutz und Schund" (Trivialliteratur) widmeten und die zum Teil sozialkritische und sozialistische Literatur in demagogische Weise mit Pornografie gleichsetzten. Die Nationalsozialisten nutzten Anti-Pornografie-Ressentiments zu rassistischer Propaganda, indem sie unterstellten, dass der Pornografie-Handel "überwiegend in jüdischen Händen" läge.

    Trotz der seit 1933 propagierten "Reinerhaltung von Literatur und Kunst" erschienen, fast unbeanstandet, weiter Reihen wie "Eva-Privatbücher", "Mara - Das moderne Magazin", "Potpourri" (alle im Leipziger Eva-Verlag), "Ehrlichs Sittenromane" oder die "Aphroditenbücherei". Wegen einer in den späten 30er Jahren verschärften Verbotspraxis verbrämten Pornografie-Verlage ihre Reihen pseudowissenschaftlich: "Beiträge zum Sexualproblem" (Asa-Verlag, Leipzig), "Allmacht Weib" (Verlag für Kulturforschung, Wien). Der Handel mit Pornografie verlagerte sich zwar etwas "unter die Ladentheke", dennoch erschienen, wie Verbotslisten von 1940 und 42 belegen, weiterhin neue Titel.

    Das Pornografie-Tabu traf sich in den 70er Jahren mit dem Dritten-Reich-Tabu: Geschäftemacher nutzten verbotene nationalsozialistische Accessoires wie SS-Dolche, Hakenkreuze, Uniformen, Orden u. a. als Versatzstücke einer besonders brutalen sadomasochistischen oder homophilen Pornografie, die selbst vor so genannter KZ-Pornografie nicht zurückschreckt.