Presse (Medien)

    Aus Lexikon Drittes Reich

    im Dritten Reich Herrschaftsmittel und Indoktrinationsinstrument der Staatsführung zur Verwirklichung ihrer politischen Ziele und Interessen, nicht mehr freier Träger öffentlicher Meinung. Pressefreiheit wurde als liberalistische Verirrung diffamiert, Journalisten(Schriftleiter-)tätigkeit als Aufgabe im Dienst von Volk und Staat definiert, die Ausübung des Verlegerberufs an Zuverlässigkeit und Eignung im Sinne des Nationalsozialismus geknüpft. Ziel der nationalsozialistischen Pressepolitik war es, sämtliche publizistische Produkte und ihre Produzenten politisch und möglichst auch ökonomisch in die zentrale Abhängigkeit des Staats zu bringen und so die Öffentlichkeit zu beherrschen. Nach der endgültigen Suspendierung des in der Endphase der Weimarer Republik schon durch Notverordnungen eingeschränkten Grundrechts der Pressefreiheit durch die Reichstagsbrandverordnung und Unterdrückung der Links-Presse wurden Presselenkung und -kontrolle von der Presseabteilung im Propagandaministerium organisiert und koordiniert. Unter Staatssekretär Funk, 1938 unter dessen Nachfolger O. Dietrich, beide in Personalunion zugleich Pressechefs der Reichsregierung, Dietrich auch Reichspressechef der NSDAP, wurde sie seit 29. 5. 33-März 36 von Kurt Jahncke, 1936-November 38 von Alfred-Ingemar Berndt, dann von Fritzsche und von November 42 an von Erich Fischer geleitet.

    Nachrichtenmaterial musste vom Deutschen Nachrichtenbüro (DNB) und der Nationalsozialistischen Parteikorrespondenz (NSK) bezogen werden. Mündlich instruiert wurden die großen deutschen Tageszeitungen auf der Berliner Pressekonferenz, Presseanweisungen an die Provinzblätter erfolgten über die Reichspropaganda-Ämter. Außerdem gab es Zeitschriftenkonferenzen, Kultur- und Wirtschaftspressekonferenzen und Sonderkonferenzen bei besonderen Anlässen; unverkennbar ist bereits vor dem Krieg die Entwicklung zu einer immer mehr ins Einzelne gehenden Reglementierung. Für die Anweisung von Zeitschriften wurde 1939 der Zeitschriftendienst organisiert. Mit dem 26. 8. 39 kam die Einführung der militärischen Zensur.

    Das Schriftleitergesetz band die leitenden Redakteure an die staatlich verfügte Pressepolitik. Die berufsständische Zwangsorganisation von Journalisten und Verlegern war innerhalb der Reichskulturkammer die Reichspressekammer. Im ökonomischen Bereich wurde schrittweise die Konzentration fast aller Presseverlage in der Hand der NSDAP erreicht. Entschädigungslos zu Gunsten der Parteipresse enteignet wurden die Presseunternehmungen von SPD, KPD und Gewerkschaften, die bürgerlichen aber anfangs noch in gewissem Umfang toleriert, da die von radikalen Parteigruppen geforderte sofortige Ablösung durch die Parteipresse noch nicht zu leisten war und außen- wie innenpolitische Rücksichten, z. B. auf die deutsch-nationalen Interessen, mitspielten. Es folgten die Sanierung und Reorganisation der Parteipresse und 1935 die Errichtung der Reichspresseschule in Berlin zur Ausbildung des journalistischen Nachwuchses.

    Mittel zur systematischen Liquidierung noch konkurrierender Privatverlage der katholischen Presse und der Provinzpresse sowie der Konzerne der Generalanzeiger-Presse wie Huck, Girardet und Leonhardt waren dann die Amann-Verordnungen vom 24. 4. 35. Sie ermöglichten Zwangsschließungen und kaschierten Aufkäufe über scheinbar neutrale Holding- und Finanzierungsgesellschaften, die Amanns Stabsleiter R. Rienhardt und M. Winkler organisierten. Nur Teile des Hugenberg-Konzerns blieben bis 1944 bestehen. Drei teils politische, teils kriegsbedingte Zeitungsstilllegungsaktionen (Mai 41, Februar/April 43, Juli/August 44) reduzierten schließlich den Anteil privateigener Zeitungen an der Reichsauflage Oktober 44 auf 17,5 %. Auch die wenigen Wochenzeitungen und Illustrierten, die es 1944 noch gab, befanden sich sämtlich in Parteibesitz. Die Zeitschriften wurden bis auf einen geringen Rest eliminiert (Oktober 44 auf 10 % des Bestands von 1939).

    Schwächen der Presselenkung waren begründet im charakteristischen Strukturprinzip des nationalsozialistischen Herrschaftssystems, Funktionen bis zur Unüberschaubarkeit aufzusplittern und auf allen Ebenen die Personalunion von Partei- und Staatsfunktionären herzustellen. Die Folge waren Kompetenzüberschneidungen und Rivalitäten, so v. a. zwischen Goebbels, Amann und Dietrich oder zwischen Propagandaministerium und Auswärtigem Amt. Im Wesentlichen aber wurde das Ziel einer gleichgeschalteten Öffentlichkeit ungeachtet des Widerstands kleiner Gruppen auf dem Pressesektor erreicht.

    Das Ergebnis war eine schon früh von Goebbels selbst beklagte Uniformität der Presse in Aussage und Aufmachung, die vor 1939 zur Leserflucht aus den reglementierten Presseorganen führte; erst das erhöhte Informationsbedürfnis im Krieg ergab wieder Auflagensteigerungen. Um einzelne Bevölkerungsgruppen und das Ausland zu gewinnen, wurde deshalb in streng fixierten Grenzen offiziell zum Zweck der Manipulation ein gewisser "Meinungspluralismus" geduldet. Differenziertere Äußerungsweisen der Presse zu aktuellen Fragen und politischen Situationen sind in diesem Zusammenhang zu sehen: Ein Spiel mit verteilten Rollen wurde inszeniert, in dem noch verbliebene bürgerliche Presseorgane wie die "Frankfurter Zeitung" oder nationalsozialistische Neugründungen wie "Das Reich" ebenso eingeplant waren wie "Der Stürmer" und "Das Schwarze Korps".