Prostitution

    Aus Lexikon Drittes Reich

    bezahlte gewerbsmäßige "Preisgabe" des (weiblichen) Körpers zu geschlechtlichem Verkehr, im Deutschen Reich gesetzliche "Gewerbeunzucht", ab dem 18. 2. 27 nicht mehr strafbar, aber der Gesundheitsaufsicht unterliegend. Die gesundheitliche Überwachung der "Personen mit häufig wechselndem Geschlechtsverkehr" und die Vorschriften gegen "das öffentliche Hervortreten" wurden im Dritten Reich verschärft: Unter Strafandrohung stand, "wer öffentlich in auffälliger Weise oder in einer Weise, die geeignet ist, einzelne oder die Allgemeinheit zu belästigen, zur Unzucht auffordert oder sich dazu anbietet" (Gesetz vom 26. 5. 33). Die Nationalsozialisten erhoben den Anspruch, durch die Arbeitsbeschaffungs- und Sozialpolitik, durch "Blutschutz-" und Jugendschutzmaßnahmen die Prostitution zu beseitigen. Der Rückgang der Prostitution in den 30er Jahren ging allerdings einher mit einer wachsenden Promiskuität innerhalb und im Umfeld von nationalsozialistischen Organisationen, Lagerleben und Großveranstaltungen. Der Kriegsausbruch, zunehmende Verarmung und die schweren Nachkriegsjahre unter der Besatzung ließen die Grenzen zwischen gewerbsmäßiger Prostitution und der "Preisgabe" aus Not verschwimmen.