Protektorat Böhmen und Mähren

    Aus Lexikon Drittes Reich

    dem Deutschen Reich mit Erlass Hitlers vom 16. 3. 39 angegliedertes "Schutzgebiet", bestehend aus den "historischen Ländern" der am Vortag durch militärischen Einmarsch "zerschlagenen" Tschechoslowakei: 48 927 km² mit 7,5 Millionen Einwohnern (1940), darunter 225 000 Deutsche. Die nahezu unumschränkte Macht im Protektorat Böhmen und Mähren lag beim Reichsprotektor (bis 27. 9. 41 Neurath, ab 25. 8. 43 Frick) und seinem Stellvertreter (bis 4. 6. 42 Heydrich, danach Daluege), der weiter amtierende "Staatspräsident" Hácha war praktisch einflusslos.

    Die deutsche Herrschaft im Protektorat Böhmen und Mähren war geprägt durch rücksichtslose Gleichschaltung der Verwaltung, Durchsetzung des Führerprinzips, Herabstufung der Tschechen gegenüber den Reichsdeutschen zu Personen minderen Rechts und offenem Terror gegen tschechische Intelligenz und Bürgertum. Das Protektorat Böhmen und Mähren hatte besonderen Stellenwert für die deutsche Kriegswirtschaft wegen der Produktions- und Arbeitskraftressourcen und wegen der relativen Sicherheit vor Luftangriffen. Daher wurde die Arbeiterschaft verhältnismäßig schonend behandelt und materiell umworben. Erst nach dem Attentat auf Heydrich (27. 5. 42) verschärfte sich die ohnehin wegen der nationalsozialistischen Judenverfolgung (u. a. Theresienstadt) gespannte Lage insgesamt durch die SS-Vergeltungsmaßnahmen (u. a. Lidice). Der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft im Protektorat Böhmen und Mähren fielen bis 1945 ca. 65 000 Juden und 40 000 Tschechen zum Opfer. Die Ausschreitungen gegen die deutsche Bevölkerung bei der Vertreibung haben hier eine Ursache. Das Gebiet des Protektorats Böhmen und Mähren wurde nach der sowjetischen Besetzung im Mai 45 wieder der Tschechoslowakei inkorporiert.