Psychoanalyse

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Behandlungsmethode neurotischer Störungen durch Bewusstmachung verdrängten Erlebnismaterials, begründet durch S. Freud; im Dritten Reich als "jüdisch-marxistische Elaborat" abgelehnt (Verbrennung der Schriften Freuds am 10. 5. 33 bei der Bücherverbrennung). Statt der Psychoanalyse sollte eine Deutsche Psychotherapie geschaffen werden, als deren Protagonist C. G. Jung angesehen wurde. Gegen die international ausgerichtete Allgemeine Ärztliche Gesellschaft für Psychotherapie wurde die nationalistische Deutsche Allgemeine Ärztliche Gesellschaft gegründet, die eine "Deutsche Seelenkunde" begründen sollte. In den Räumen des renommierten Berliner Psychoanalytischen Instituts wurde 1936 das Deutsche Institut für psychologische Forschung und Psychotherapie gegründet, dessen Leiter M. H. Göring, ein Vetter des Ministers, wurde und in dessen Rahmen die Psychoanalyse zunächst geduldet wurde. Der Begriff Psychoanalyse durfte jedoch nicht mehr benutzt werden, die Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft firmierte als Arbeitsgruppe A., später als "Referatenabend für Kasuistik und Therapie". Der Begriff Analyse musste mit "wirklicher tiefenpsychologischer Behandlung von langer Dauer" umschrieben werden. Wenn auch die deutsche Psychotherapie sich der biologistischen Auffassung der Medizin unterordnete und Leistung und Tüchtigkeit als Ziel ihrer Behandlung angab, so blieb sie nach nationalsozialistischen Kategorien doch mit dem Makel einer "jüdisch zersetzenden" Wissenschaft behaftet.