Rasse- und Siedlungshauptamt

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (RuSHA), 1931 errichtete, mit Wirkung vom 30. 1. 35 zum Hauptamt erhobene Dienststelle der Reichsführungs-SS. Die Aufgaben des RuSHA betrafen Kernfragen der SS-Ideologie: die "rassenmäßige Ausrichtung" der SS, Bauern- und Siedlungsfragen, "Sippenpflege" und Schulung. Zur Umsetzung seiner Arbeit beschäftigte das RuSHA Rasse- und Bauernreferenten in jedem SS-Oberabschnitt und Schulungsleiter bei den einzelnen Verbänden; es richtete "Sippenpflegestellen" bei den SS-Standarten ein und gab die "SS-Leithefte" heraus.


    Spannungen zwischen Himmler und Darré, dem sehr auf Unabhängigkeit bedachten Chef des RuSHA, führten im Sommer 38 zu dessen Ablösung. Sein Nachfolger wurde Günther Pancke, dem 1940 Otto Hofmann, 1943 dann Richard Hildebrandt folgen sollten. Schon vor dem Ausscheiden Darrés war die allzu oft in lebensferner "Blut und Boden"-Romantik befangene Arbeit des RuSHA unter zunehmenden Druck konkurrierender Dienststellen geraten, so dass das Hauptamt in den folgenden Jahren viel seines ursprünglichen Einflusses einbüßte. So wurde das Schulungswesen ab 1939 schrittweise dem SS-Hauptamt übertragen, das infolge seiner Zuständigkeit für die Rekrutierung ausländischer Waffen-SS-Freiwilliger auch die so genannte "germanische Arbeit" in den besetzten Ländern West- und Nordeuropas an sich riss. Auch das Siedlungsamt, das sich bis Kriegsbeginn u. a. durch Gründung einer Reihe SS-kontrollierter Siedlungsgesellschaften einen weitgefächerten Verwaltungsapparat geschaffen hatte, wurde Anfang 1940 aus dem RuSHA ausgegliedert und dem neu geschaffenen Führungsstab des "Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums" unterstellt. Weitere Kompetenzen gingen an die Volksdeutsche Mittelstelle und den Verein Lebensborn verloren. So konzentrierten sich die Zuständigkeiten des RuSHA während des Krieges v. a. auf die Bearbeitung von Heiratsgesuchen und Abstammungsgutachten, die Durchführung rassenbiologischer Untersuchungen besonders bei Waffen-SS-Freiwilligen und Umsiedlern sowie die Werbung und fachliche Ausbildung von Siedlungsinteressenten. 1942 wurden dem RuSHA zudem das Fürsorge- sowie vorübergehend auch das Versorgungswesen der SS unterstellt. Hinzu traten spezifisch kriegsbedingte Aufgaben: So betreute das Hauptamt die Gräberoffiziere der Waffen-SS und fungierte als Auskunftsstelle für Verluste der SS im Kriege.