Rassenhygiene

    Aus Lexikon Drittes Reich

    von Ploetz 1895 geprägter Begriff für die "Lehre von den Bedingungen der optimalen Erhaltung und Vervollkommnung der menschlichen Rasse". Ihre Aufgaben seien: Begünstigung kinderreicher Familien "tüchtiger" Individuen, Herstellung eines Gegengewichts gegen den Schutz der Schwachen durch Verhinderung der Fortpflanzung "Minderwertiger", Bekämpfung der "Keimgifte" (Syphilis, Tuberkulose, Alkohol), Erhaltung und Vermehrung des Bauernstands, Erhaltung der Wehrhaftigkeit. Um diese Aufgaben zu propagieren, wurden 1904 das "Archiv für Rassen- und Gesellschaftsbiologie" und 1905 die Deutsche Gesellschaft für Rassenhygiene gegründet. Weitergeführt wurden die Ideen der Rassenhygiene insbesondere durch Lenz, der als Schüler von Ploetz von 1913-33 Redakteur des Archivs war und 1921 zusammen mit E. Baur und E. Fischer das auch im Dritten Reich als Grundlage geltende Werk "Grundriß der menschlichen Erblichkeitslehre und Rassenhygiene" schrieb. Lenz erhielt 1923 die erste Professur für Rassenhygiene und wurde 1933 Abteilungsleiter für Rassenhygiene am Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, Menschliche Erblehre und Eugenik in Berlin. Rassenhygiene wurde für den nationalsozialistischen Staat nach den Worten von Reichsärzteführer G. Wagner "zur Grundlage der heutigen Staatsraison".

    Zur Durchsetzung rassenhygienischer Gedanken wurde der Sachverständigenausschuss für Bevölkerungs- und Rassenpolitik geschaffen, der für folgende Gesetze als Beratergremium tätig war: Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses (1933), Gesetz gegen gefährliche Gewohnheitsverbrecher (1933), Erbhofgesetz (1933), Gesetz zur Förderung der Eheschließungen (1933), Einkommensteuergesetz (1934), Gesetz zum Schutz der Erbgesundheit des deutschen Volkes (1935), Nürnberger Gesetze (1935).