Ravensbrück

    Aus Lexikon Drittes Reich

    nationalsozialistisches Frauen-KZ nördlich von Fürstenberg an der Havel, eingerichtet am 15. 5. 39 mit Häftlingen des KZ Lichtenburg. Ende 39 betrug die Belegstärke von Ravensbrück rund 2 000 Frauen, Ende 42 schon 10 800, 1944 gab es einen Gesamtzugang von rund 70 000 Häftlingen. Nach den Unterlagen des Internationalen Suchdiensts des Roten Kreuzes wurden vom Bestehen des Lagers an 107 753 Frauen in das Hauptlager und seine 42 Außenkommandos eingewiesen. Bei den Frauen handelte es sich um Angehörige verschiedener europäischer Nationen, die als politische Häftlinge, Jüdinnen, "Zigeunerinnen", Bibelforscherinnen, Prostituierte, Kriminelle u. a. nach Ravensbrück verbracht wurden. Sie arbeiteten in der SS-eigenen Deutschen Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung, in der privaten Landwirtschaft sowie bei Industrie- und Handwerksbetrieben der Umgebung. Dem Frauenlager wurde im März/April 41 ein kleines Männerlager angeschlossen. Die Bewachung im Frauenlager wurde zum großen Teil von SS-Aufseherinnen ausgeübt; die Lagerleitung lag jedoch in den Händen eines Kommandanten.


    Unzureichende Unterbringungs- und Verpflegungsverhältnisse sowie schlechte hygienische und sanitäre Zustände in Ravensbrück waren der Hauptgrund für die hohe Sterblichkeit unter den Häftlingen. Strafen, Misshandlungen und schwere körperliche Arbeiten taten ein Übriges. Viele Opfer gab es bei verschiedenen Menschenversuchen (Experimente mit Gasbrand und Wundinfektionen, Sterilisierungsversuche an "Zigeunerinnen" u. a.). Weitere Opfer waren "Arbeitsunfähige" und "geistig Defekte", die ab 42 von Ärzte-Kommissionen im Rahmen der "Aktion 14f13" (Invaliden-Aktion) angeblich zur Einweisung in Sanatorien ausgesondert, in Wirklichkeit jedoch in Tötungsanstalten der Euthanasie-Aktion T4 gebracht und dort vergast wurden. Im Frühjahr 45 befahl Himmler, die kranken und arbeitsunfähigen Häftlinge im Lager selbst zu töten. Daraufhin wurde in der Nähe des Krematoriums eine Gaskammer eingerichtet. Nach Angaben des ehemaligen Schutzhaftlagerführers Schwarzhuber wurden dort zwischen 2 300 und 2 400 Menschen vergast.


    Im März 45 kamen französische und schwedische Häftlingsfrauen auf Intervention des schwedischen Roten Kreuzes frei. Im April 45 wurden die Häftlinge zu Fuß evakuiert, aber während des Evakuierungsmarsches von sowjetischen Truppen überrollt. Die im Lager zurückgebliebenen kranken und gehunfähigen Häftlinge wurden am 29./30. 4. von Truppen der Roten Armee befreit. Kommandanten von Ravensbrück: Max Koegel (Selbstmord 1946), Fritz Suhren (1950 hingerichtet).