Reeducation

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (englisch Umerziehung), Bezeichnung für die Maßnahmen und Pläne der Alliierten zur Tilgung des nationalsozialistischen Gedankenguts in Deutschland, zur Rückführung der Deutschen zu Demokratie, rechtsstaatlichem Denken und einer auf den Menschenrechten beruhenden Gesinnung sowie zur Vorbereitung einer friedlichen deutschen Mitarbeit am internationalen politischen und kulturellen Leben nach 1945. Mit welcher "Behandlung" eine solche Reeducation am besten zu erreichen sein würde, war allerdings nicht nur zwischen den Alliierten strittig, sondern unterlag auch Schwankungen je nach politischer Opportunität (Entnazifizierung). Der zunächst eingeschlagene Weg der Schockbehandlung durch den Vorwurf der Kollektivschuld an den nationalsozialistischen Gewaltverbrechen führte jedoch eher zu Abwehrhaltungen und ließ Reeducation v. a. in politisch rechtsstehenden Kreisen zum Negativbegriff werden. Im Zuge der Ost-West-Entfremdung nach dem Krieg wurde die Reeducation-Propaganda bald modifiziert und schließlich eingestellt.