Reichsarbeitsdienst

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (RAD), mit Gesetz vom 26. 6. 35 eingeführte allgemeine Dienstpflicht von männlichen Arbeitskräften im Alter von 18-25 Jahren in geschlossenen Einheiten zur Bewältigung gemeinnütziger Aufgaben. Neben vereinzelten Ansätzen vor dem Ersten Weltkrieg ging die Idee des Arbeitsdiensts und der Arbeitsdienstpflicht v. a. auf das Vorbild des "Vaterländischen Hilfsdiensts" 1916/17 zurück. Die Diskussion um einen Arbeitsdienst war in der Weimarer Republik immer eng mit wirtschaftlichen Krisenzeiten verbunden, so z. B. in der ersten Nachkriegszeit. Durch die Weltwirtschaftskrise erhielt sie erneut Auftrieb. V. a. die Jugendarbeitslosigkeit sollte auf diese Weise bekämpft werden. Die Arbeitsdienstpflicht wurde u. a. vom Stahlhelm, den Artamanen und dem Jungdeutschen Orden gefordert. 1930 bildete sich eine Reichsarbeitsgemeinschaft für die Deutsche Arbeitsdienstpflicht (RADA). Ebenfalls 1930 konstituierte sich der Volksbund für den Arbeitsdienst. Mit der Notverordnung vom 5. 6. 31 wurde die gesetzliche Grundlage für den freiwilligen Arbeitsdienst geschaffen, die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung übernahm die Förderung der Arbeiten. Die Teilnahme an den Arbeitsdienstlagern war auf 20 Wochen begrenzt. Träger dieses freiwilligen Diensts war u. a. auch die NSDAP. Teilnehmen durften anfangs nur Arbeitslose, später aber alle Jugendlichen zwischen 18 und 25 Jahren. Die Tätigkeiten sollten sich insbesondere auf Bodenkulturarbeiten erstrecken.

    Nach der Machtübernahme berief Hitler am 31. 3. 33 den Oberst a. D. Hierl zum Leiter des Arbeitsdiensts (später Reichskommissar) im Rang eines Staatssekretärs zunächst im Reichsarbeits-, dann im Reichsinnenministerium. Erst 1943 wurde der Arbeitsdienst eine Oberste Reichsbehörde, die Hitler unmittelbar unterstand. Hitler sah im Reichsarbeitsdienst eine ideale Möglichkeit zur Ausrichtung der jungen Menschen im nationalsozialistischen Sinne; ihre paramilitärische Ausbildung sollte der Wehrmacht später zugute kommen. Der Reichsarbeitsdienst litt jedoch unter einem ständigen Mangel an geeigneten Führern, so dass die vorgesehene politische Schulung kaum geleistet wurde. Dennoch wurde er als Aushängeschild des "deutschen Sozialismus" genutzt: Beim Reichsparteitag 1934, bei dem 52 000 einheitlich uniformierte Arbeitsdienstmänner aufmarschiert waren, verkündete Hitler: "Durch eure Schule wird die ganze Nation gehen." Die Dauer des "Ehrendienstes am deutschen Volk" wurde auf ein halbes Jahr festgesetzt.

    Hierl schaltete die konfessionellen und anderen Träger des Arbeitsdiensts aus und gestaltete ihn um zu einer nationalsozialistischen Organisation. Er teilte den Reichsarbeitsdienst ein in 30 Arbeitsgaue, 182 RAD-Gruppen und 1 260 RAD-Abteilungen. Bereits 1934 wurde eine halbjährige Dienstpflicht für Abiturienten eingerichtet. Am 1. 4. 36 wurde der weibliche Arbeitsdienst, der auf freiwilliger Basis beruhte, dem RAD angegliedert. Erst von 1939 an wurde ein Dienstjahr für Frauen obligatorisch. Einschließlich Stammpersonal betrug die RAD-Gesamtstärke am 1. 10. 35 rund 200 000, bis zum 1. 10. 39 wurde sie auf jährlich 350 000 erhöht. Mit einem Etat von RM 1,70 täglich pro Person praktizierte der Reichsarbeitsdienst besonders Landeskulturarbeiten. Auch beim Autobahnbau und zur Errichtung des Westwalls wurde der RAD eingesetzt. Die "Arbeitsmaiden" halfen hauptsächlich der "überlasteten deutschen Mutter in den Siedlungsgebieten" und in der Landwirtschaft. Nach Kriegsausbruch geriet der RAD weitgehend unter die Regie der Wehrmacht; schon die Einberufung erfolgte durch die Wehrkreiskommandos. Arbeitsdienstmänner werkten mit Spaten und Gewehr vom Nordkap bis zu den Kykladen, standen an Flugabwehrgeschützen, bauten V1-Abschussrampen und wurden 1944/45 beim Volkssturm eingesetzt.

    War der Arbeitsdienst ursprünglich als ein Mittel zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit konzipiert, entwickelte er sich unter den Nationalsozialismus zu einem Instrument der Jugenderziehung im Sinne der "Volksgemeinschaft" und v. a. zur Vorbereitung auf den Krieg.