Reichsbehörden

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (Stand 1941). Als Reichsbehörden galten die Behörden, die die Geschäfte des Deutschen Reichs führten, also im engeren Sinne die Reichskanzlei und die Reichsministerien. Die Verquickung von Staat und Partei kam dabei v. a. durch vielfache Personalunion zum Ausdruck und durch Erhebung von Parteidienststellen in den Rang von Reichsbehörden. Diese waren:

    1. Der Führer und Reichskanzler: Hitler als Staatsoberhaupt und Regierungschef mit der Reichskanzlei (Lammers), dem OKW (Keitel) und der Präsidialkanzlei (Meißner). Unmittelbar unterstellte Dienststellen: Generalinspektor für das Straßenwesen, Reichsstelle für Raumordnung, Reichsjugendführung, Generalinspektor für die Reichshauptstadt, Generalbaurat für die Hauptstadt der Bewegung (= München), Reichsbaurat für die Stadt Linz an der Donau.#Der Beauftragte für den Vierjahresplan: Göring.#Der Geheime Kabinettsrat, der Hitler außenpolitisch beraten sollte und somit faktisch funktionslos war, Vorsitzender: Neurath.#Der Reichsprotektor in Böhmen und Mähren (Neurath) sowie der Generalgouverneur im besetzten Polen (H. Frank).#Die Reichsregierung, bestehend aus den Reichsminister sowie dem Chef des OKW (Keitel), dem Chef der Reichskanzlei (Lammers), dem Chef der Parteikanzlei (Bormann), dem Reichsforstmeister (Göring), dem Präsidenten des Reichsrechnungshofs (Müller), dem Präsidenten der Deutschen Reichsbank (Funk) sowie den Reichsministern ohne Geschäftsbereich (Neurath, H. Frank, Schacht, Seyß-Inquart). Es gab 15 Fachressorts: Der Reichsminister des Auswärtigen: Ribbentrop, dem u. a. der Chef der Auslandsorganisation der NSDAP (Bohle), der Diplomatische Dienst und die Reichsstelle für den Außenhandel unterstellt waren.Der Reichsminister des Innern: Frick, dem auch das preußische Innenministerium zugeordnet war und dem der Reichsarbeitsdienst (Hierl) unterstand. Dem Innenressort eingegliedert war formal auch der Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei (Himmler), auf den der Minister jedoch faktisch kaum Einfluss hatte. Zu den zahlreichen Geschäftsbereichen gehörten: die Reichsstelle für Sippenforschung, das Reichsverlagsamt, das Reichsgesundheitsamt, das Reichsarchiv, das Reichssportamt u. a. Eine Reihe von Institutionen wurde zudem vom Innenministerium beaufsichtigt, z. B. die Reichsärztekammer, das DRK u. a.Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda: Goebbels (Propagandaministerium).Der Reichsminister der Luftfahrt: Göring, der zugleich Oberbefehlshaber der Luftwaffe und als Reichsmarschall höchster Offizier der Wehrmacht war (ranghöher als der OKW-Chef).Der Reichsminister der Finanzen: Schwerin v. Krosigk, bei dem neben den üblichen Sachgebieten u. a. Angelegenheiten der Ehestandsdarlehen, der Kinderbeihilfen, der Landwirtschaftsförderung ressortierten.Der Reichsminister der Justiz: geschäftsführend Schlegelberger (August 42 Thierack), dessen Aufsicht die Akademie für Deutsches Recht, das Reichspatentamt u. a. unterstanden.Der Reichswirtschaftsminister: Funk (zugleich preußischer Minister für Wirtschaft und Arbeit), der neben den üblichen Aufgaben u. a. die Devisen- und Rohstoffbewirtschaftung überwachte und auch für Fragen der Kriegswirtschaft zuständig war.Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft: Darré (zugleich preußischer Landwirtschaftsminister), der als Reichsbauernführer auch den Reichsnährstand leitete und dem u. a. das Reichserbhofgericht unterstand.Der Reichsarbeitsminister (zugleich preußischer Arbeitsminister): Seldte, der neben den traditionellen Aufgaben für die Verwaltung für die Organisation des Arbeitseinsatzes, für das Siedlungswesen, die soziale Ehrengerichtsbarkeit u. a. zu sorgen hatte.Der Reichsminister (zugleich preußischer Minister) für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung: Rust. Er war auch zuständig für die Organisation des Landjahrs, war Dienstherr u. a. des Reichsinstituts für Geschichte des neuen Deutschlands und beaufsichtigte z. B. die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft und ihre Institute.Der Reichsminister für kirchliche Angelegenheiten: Kerrl (nach seinem Tod im Dezember 41 weitergeführt nur von einem Staatssekretär).Der Reichsverkehrsminister (und preußische Verkehrsminister): Dorpmüller, der zugleich Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn war.Der Reichspostminister: Ohnesorge, in dessen Forschungsamt auch militärische Entwicklungen (Nachrichtentechnik, Funkmessgeräte u. a.) gefördert wurden und das zeitweilig den Bau der Atombombe erwog.Der Reichsminister für Bewaffnung und Munition (geschaffen erst 17. 3. 40): Todt (1942 Speer).Der Reichsminister für die besetzten Ostgebiete (geschaffen 17. 11. 41): Rosenberg, zuständig für die Reichskommissariate, die sich seiner Aufsicht jedoch weitgehend entzogen.(Anmerkung: Alle erwähnten Personen sind mit Einzelbiographien im Lexikon vertreten; auch die meisten Fachbegriffe finden sich als Einzelartikel.)