Reichsberufswettkampf

    Aus Lexikon Drittes Reich

    eine 1933 vom Leiter des Sozialen Amts in der Reichsjugendführung, Axmann, vorgeschlagene und gemeinsam mit der DAF durchgeführte Maßnahme zur beruflichen Aktivierung der Jugendlichen und zur Kontrolle der Berufsausbildung; 1934-39 jeweils im Frühjahr durchgeführt. 1938 und 39 sowie am "Kriegsberufswettkampf" 1944 nahmen auch junge Erwachsene teil. Der Leistungsvergleich umfasste einen besonders hoch bewerteten praktischen Teil (erreichbar 70 Punkte), Berufstheorie (Berufskunde, Fachrechnen, einen Aufsatz: 30 Punkte), eine "weltanschauliche" (politische) Aufgabenstellung (20 Punkte), für Mädchen auch eine hauswirtschaftliche (30 Punkte), im sportlichen Teil mussten Mindestanforderungen erfüllt werden. 1938 waren zur Durchführung des Reichsberufswettkampfs bei 2,2 Millionen Teilnehmern in 1 600 Berufssparten mehr als eine halbe Million Mitarbeiter erforderlich, die die Vergleiche auf Orts-, Gau- und Reichsebene organisierten. Dieser Aufwand ersetzte nicht Maßnahmen zur Berufsausbildung, war aber geeignet, die Leistungsbereitschaft zu motivieren, bei "Nichtorganisierten" eine Vertrauensbasis gegenüber dem System zu schaffen und Hoffnungen auf individuelle Förderung bei den "Siegern" zu wecken. Augenfällige propagandistische Wirkungen konnten außerdem durch einen "Schaufensterwettbewerb" erzielt werden. Der inhaltsarme Dienstbetrieb der HJ wurde so aufgewertet, die sozialpolitische Situation der Lehrlinge und Jungarbeiter konnte ebenso kontrolliert werden wie die Wirkungen der politischen Propaganda.