Reichskommissar

    Aus Lexikon Drittes Reich

    in der Weimarer Verfassung vorgesehene und im Dritten Reich beibehaltene Position eines Beauftragten der Reichsregierung oder des Reichspräsidenten mit weitreichenden Vollmachten zur Überwachung oder Übernahme regionaler Behörden, zur Wahrnehmung der Rechte des Reichs auf bestimmten Gebieten oder zur Erfüllung von Sonderaufgaben. Die Institution des Reichskommissars war ein wesentliches Instrument der Gleichschaltung: Schon beim Preußenschlag von der Regierung Papen erfolgreich eingesetzt, wurde der Reichskommissar nach der Machtergreifung bei der "Verreichlichung" der Justiz durch H. Frank, als Vorstufe des Ministeramts durch Göring (Reichskommissar für die Luftfahrt), bei der Disziplinierung der evangelischen Kirche, im Sport u. a. genutzt. Bei der Beseitigung der Länderhoheit wurde das Amt des Reichskommissars als Übergangsregelung geschaffen, ein Reichskommissar sorgte für die Rückgliederung des Saarlands (30. 1. 35 Bürckel), die Eingliederung Österreichs (23. 4. 38 Bürckel) und des Sudetenlands (1. 10. 38 Henlein). Im Krieg trat an die Spitze der deutschen Besatzungsbehörden in den eroberten Gebieten je ein Reichskommissar (24. 4. 40 Norwegen: Terboven, 18. 5. 40 Niederlande: Seyß-Inquart und 8. 8. 40 Luxemburg: Simon, Elsass: Wagner, Lothringen: Bürckel) als Chef der Zivilverwaltung, in Russland wurden am 17. 11. 41 die Reichskommissariate Ostland (Lohse) und Ukraine (Koch) geschaffen. Besondere Aufgaben als Reichskommissar übernahmen auch Himmler "für die Festigung deutschen Volkstums" (7. 10. 39), Ley "für sozialen Wohnungsbau" (19. 11. 40) u. a. Als Reichskommissare fungierten auch die Reichsverteidigungskommissare.